Postskriptum: Vessel & Voyager
Clara Herrmann und Linnéa Meiners
Came the moon, at last, which gave disrepair: vessel and voyager, despair. Humanspeak.
Logan February, Relation in Movement, 1977






Seit 2007 lädt die Akademie der Künste internationale Künstler*innen aller Sektionen in die Ateliers am Hanseatenweg und seit den 1960er-Jahren in die Villa Serpentara in Olevano Romano für das Residenzprogramm der JUNGEN AKADEMIE ein. Das Reisen, der Perspektivwechsel wie auch die Verflechtung unterschiedlicher Ästhetiken, Erfahrungen und Geschichte(n), die Künstler*innen sich zu eigen machen, sind sinnstiftend für die kollektive Erfahrung, das Sich-Verbinden über alle künstlerischen, geografischen und politischen Grenzen hinweg.
Unter dem Titel Vessel & Voyager, inspiriert von Logan Februarys Gedicht über Sprachlosigkeit, Vergänglichkeit und die parallelen Seinsweisen des künstlerischen Subjekts, präsentieren 25 Stipendiat*innen neue Arbeiten in einer Ausstellung der Akademie der Künste. Als dynamisches Bezugssystem eröffnen beide Motive dabei Spielräume für künstlerisches Schaffen und Handeln in Zeiten vielzähliger und eskalierender Krisen, auf welche die internationale Gemeinschaft der Stipendiat*innen ein Schlaglicht wirft. Verlust und Erinnerung, Körper und Heilung, Schutz und Gemeinschaft sind dahingehend die bestimmenden Themen in unterschiedlichen Medien wie Fotografien, Videoarbeiten, Installationen, Skulpturen, Zeichnungen oder Assemblagen.
In allen künstlerischen Disziplinen und in unterschiedlichen spirituellen, mythologischen und kulturellen Kontexten sind Gefäße (Vessel) und Reisende (Voyager) prominente Sujets. Die Ausstellung nutzt Vessel in seiner Bedeutung als Behältnis, das verschiedene Erzählungen, Botschaften und Stimmen aufbewahrt, übermittelt, beständig transformiert und verwebt. Voyager wiederum steht für Reisende, die Verbindungen zwischen Orten, Generationen und Zeiten schaffen. Vessel & Voyager repräsentiert die Wahrnehmung einer verflochtenen, sich verändernden Gegenwart, in der Möglichkeiten der Imagination und Spekulation rund um Trauer, Erneuerung und Widerstand neu verhandelt werden.
Drei Leitfragen laden ein, die Ausstellung zu erkunden: Was ist verloren und was wird nicht erzählt? Wie erinnern wir uns und worauf sind wir gemacht? Was schützen wir und wie verbinden wir uns? Die Arbeiten der Künstler*innen verknüpfen die Suche nach Bewusstsein und Sprache und stellen Fragen zu Überlieferung, Verantwortung und Verletzlichkeit als Fundament künstlerischen Schaffens. Das Symposium Songs of Serpents zu Kunst, Landschaft und Ökofeminismus und das Performanceprogramm Echoes, Ghosts, Songs & Soils begleiten die Ausstellung.
Mit Ilit Azoulay, Patrizia Bach, Fanny Brandauer, Huihui Cheng, Isabel Cruz, Éléonore de Duve, Eva Dessecker, Anna Dobrova / METALAB, Sarah Doerfel, Jug Đorđević, Claudia Durastanti, Marie-Clémentine Dusabejambo, Nina Emge, Logan February, Solomon Garçon, gruppe-aja, Thembinkosi Hlatshwayo, Dominique Hurth, Mehdi Jahan, Khensani Jurczok-de Klerk, René Kemp, Zita Leutgeb, Josephine Macken, Regina Menke, Marina Naprushkina, Thuy-Han Nguyen-Chi, Hrishikesh Pawar, Sinan Samanli, Sophie Seita, Sara Stevanović, Diána Vonnák, Franziska Wenning, Hana Yoo, Saikal Zhunush
Clara Herrmann leitet die JUNGE AKADEMIE der Akademie der Künste. Linnéa Meiners ist Kuratorin, Künstlerin und kuratorische Stipendiatin der JUNGEN AKADEMIE 2025/26.
