Postskriptum: Wo Gesellschaft sich begegnet – Die Akademie der Künste und ihr Freundeskreis
Rainer Esser
Postskriptum
Es gibt Tage, an denen die Welt drückender erscheint als sonst – als würde sie ihr ganzes Gewicht auf unsere Schultern legen. Nachrichten von Krisen, Konflikten und tiefgreifenden Umbrüchen prasseln unablässig auf uns ein. Was gestern selbstverständlich schien, gerät heute ins Wanken. Viele Menschen ziehen sich zurück, in die eigenen vier Wände und in digitale Echokammern, wo Widerspruch selten und Bestätigung häufig ist. Der Psychologe Stefan Grünewald beschreibt dieses Phänomen als „Silodarität“. Gemeint ist eine Haltung, in der sich Menschen zunehmend in ihren eigenen Lebenswelten abschotten. Doch wie soll unsere Demokratie bestehen, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt erodiert und Solidarität zur Ausnahme wird?
Je stärker der öffentliche Raum fragmentiert, desto dringender brauchen wir Orte, an denen wir einander als Gesellschaft begegnen können.
Die Akademie der Künste ist ein solcher Ort. Sie bringt über 400 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Disziplinen zusammen und schafft Räume, in denen unterschiedliche Sichtweisen nebeneinanderstehen können. Denn Kunst lässt uns nicht unberührt. Sie irritiert, öffnet Horizonte und ermöglicht Zugänge zu Erfahrungen, die jenseits der eigenen Lebenswelt liegen. Wer die Akademie besucht, begegnet einer Vielfalt an Stimmen, die uns herausfordert, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen und das Gemeinsame neu zu verhandeln.
Seit ihrer Gründung verkörpert die Akademie die Werte, die jede demokratische Gesellschaft braucht: Freiheit, Vielfalt und Offenheit. Und sie erinnert uns immer wieder daran, wie unverzichtbar diese Prinzipien sind. Denn eine Demokratie lebt von der Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten und produktiv zu diskutieren. Dieser Austausch findet in der Akademie auf vielen Ebenen statt, im Gespräch zwischen Kunst und Gesellschaft ebenso wie in der persönlichen Begegnung.
Damit diese Räume bestehen und wirksam bleiben, braucht es Menschen, die sie unterstützen. Der Freundeskreis der Akademie der Künste ist dafür entscheidend. Er ermöglicht Ausstellungen, Veranstaltungen, Nachwuchsförderung und Archivprojekte, die ohne private Förderung nicht realisiert werden würden. Und er schafft Nähe: Mitglieder erleben Kunst im direkten Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern, erhalten exklusive Einblicke und werden Teil eines Netzwerks, das sowohl die Kunst als auch den gesellschaftlichen Dialog stärkt.
Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie sich nun also – wie ich – nach echten Begegnungen und lebendigem Austausch sehnen, dann laden wir Sie herzlich ein, Teil des Freundeskreises der Akademie der Künste zu werden.
In einer Zeit, in der Silodarität den öffentlichen Raum enger werden lässt, sind die Akademie der Künste und ihr Freundeskreis ein Gegenentwurf. Sie halten Türen offen, die vielerorts zuzugehen drohen. Sie stärken die Fähigkeit, einander zuzuhören, Widerspruch auszuhalten und Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Ressource zu begreifen.
Ihr Engagement im Freundeskreis leistet einen wichtigen Beitrag dazu – für die Akademie, für die Kunst und für eine offene, demokratische Gesellschaft.
Rainer Esser ist Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste.