sample&hold #10
Schwingende Systeme
15.3.2026, 20 Uhr

Konzert

Das Konzertprogramm „Schwingende Systeme“ versammelt zentrale Werke aus Michael Maierhofs langjähriger Forschung an Klangkomplexen und einer Musik, die nicht über Tonhöhen organisiert ist, ergänzt durch Stücke enger Wegbegleiter*innen – interpretiert von acht Musiker*innen.

  • Standort:Pariser Platz, Black Box
  • AufzugRollstuhlgerecht
  • Datum:15.3.2026
  • Uhrzeit:20 Uhr
  • Preis:15 EUR (Ermäßigt: 9 EUR)
  • Sprachen: Deutsch
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Tickets:

„Schwingende Systeme“ ist nicht nur der Titel einer Werkserie von Michael Maierhof – sie sind der grundlegende Gegenstand seiner seit Jahrzehnten andauernden künstlerischen Forschung. Der Komponist Michael Maierhof (geb. 1956) hat mit seiner Arbeit zu Klangkomplexen und dezidiert nicht über Tonhöhen organisierter Musik ein reichhaltiges und sehr umfangreiches Schaffen mit einer ganz eigenen Klangsprache hervorgebracht. In diesem Konzert erleben Sie eine sorgfältig kuratierte Auswahl dieser Werke, kommentiert und gerahmt durch Arbeiten von langjährigen  Wegbegleiter*innen, aufgeführt durch Expert*innen seiner Musik.

Mit Musik von Uwe Rasch, Christoph Ogiermann, Maximilian Marcoll, Julia Mihály, Hannes Seidl, Mark Lorenz Kysela, Christian Kemper und Michael Maierhof

Mit Erik Drescher, Daniel Gloger, Ninon Gloger, Mark Lorenz Kysela, Michael Moser, Claudia Senoner, Paul Hübner und Niklas Seidl

Zum Programm

In dem Konzert werden aus Maierhofs umfassendem Schaffen vier ausgewählte Arbeiten gezeigt, die in den letzten zwanzig Jahren entstanden sind und die einen kleinen Einblick in die reichhaltigen Möglichkeiten seiner kompositorischen Klangsprache geben. Aufgeführt werden diese Arbeiten durch Musikerinnen, mit denen Maierhof teilweise seit Jahrzehnten gearbeitet hat und für die diese Stücke teilweise auch entstanden sind. Die intensive Auseinandersetzung mit Klangkomplexen bedeutet immer auch ein exzellentes Verständnis der Instrumente, auf denen die Klänge erzeugt werden, sowohl von den Komponist*innen als auch von den Interpret*innen, und die Stücke zeichnen eine intensive Zusammenarbeit zwischen ihnen aus.

Gerahmt werden die Kompositionen Maierhofs durch sieben kurze Arbeiten von Kolleg*innen und langjährigen Wegbegleiter*innen. Insbesondere die Gruppe „stock11", von der Maierhof Gründungsmitglied war, hat über viele Jahre den Austausch zwischen Kolleg*innen über neue Wege der Komposition angeregt und in den Nullerjahren innerhalb Deutschlands großen Einfluss auch auf eine jüngere Generation gehabt. Fünf der Mitglieder tragen teils Uraufführungen für dieses Konzert bei, zwei weitere stehen auf der Bühne.

Alle beteiligten Interpret*innen und Komponist*innen des Abends zeichnen einen Einfluss der Klangforschung und Komposition Maierhofs nach, sei es über die Techniken des Schneidens, die Präzision der Klangproduktion oder den Zugriff auf Klangkomplexe als Material.

Aufgeführte Kompositionen

Michael Maierhof: Daily Songs 2

Daniel Gloger: Stimme, Ninon Gloger: Flügel

Christoph Ogiermann: N.N. (UA)

Zuspielung (Stereo)

Mark Lorenz Kysela: N.N. (UA)

Mark Lorenz Kysela, Claudia Senoner: Performance

Michael Maierhof: splitting 51.1

Erik Drescher: Glissandomundstück, Zuspielung

Julia Mihály: Abrieb (UA)

Daniel Gloger: Stimme, Zuspielung (4-Kanal)

Michael Maierhof: splitting 43.2

Paul Hübner: Trompete, Niklas Seidl: Cello, Zuspielung (Stereo)

Michael Maierhof: splitting 22

Michael Moser: Cello, Video und Zuspielung (4-Kanal)

Maximilian Marcoll: Amproprification #3: Après und rêve, Gabriel Fauré

Daniel Gloger: Stimme, Ninon Gloger: Flügel

Christian Kemper: N.N. für Nullstrahler (UA)

Zuspielung

Hannes Seidl: A Le'a t m k (UA)

Daniel Gloger: Stimme, Ninon Gloger: Flügel

Uwe Rasch: ÄhmÄhm

tutti: Improvisation

Der Komponist Maierhof

„Schwingende Systeme“ – so heißt nicht nur eine Reihe von Werken, an der Michael Maierhof seit 2015 arbeitet. Mit „schwingenden Systemen“ bezeichnet der Komponist auch klingende Objekte, die mit Hilfe von Motoren zum Brummen, Rattern, Vibrieren, Singen oder Zittern gebracht werden. Sie sind bezeichnend für einen Komponisten, dessen künstlerische Forschung sich auf die Organisation von Klangkomplexen konzentriert und seit den letzten Jahren auch Lichtbrechungen als Organisationsprinzip miteinbezieht. Die Komplexität liegt dabei weniger in einem vom Komponisten konstruierten, möglicherweise nur schwer nachzuvollziehenden Zusammenhang, sondern in den Klängen selbst. Reduktion auf Wesentliches, Fokus auf fluktuierende oder stabile Klangtexturen jenseits von Tonhöhen, klare Abschnitte und eine sezierende Form zeichnen die Ästhetik von Michael Maierhof aus.

Maierhof verwendet in seiner Musik neben herkömmlichen Instrumenten immer wieder auch alltägliche, bewusst leicht erschwingliche Objekte wie elektrische Zahnbürsten oder Plastikbecher, die die Palette der Klangkomplexe erweitern, aber auch eine Brücke in die Welt alltäglicher Umweltklänge schlagen. Mit einer Faszination für Klangkomplexe zeitgenössischer Produktions- und Lebensrealitäten wie Flugzeugmotoren oder dem Klang einer Abfüllhalle für Getränkeflaschen hören die Stücke oft auf die internen Strukturen dieser oft überhörten oder als störend empfundenen Klänge. Die schlichte Form, in der Klänge miteinander in Beziehung gesetzt werden, ohne dass ein Subjekt mit ihnen die eigene Position zum Ausdruck bringen möchte, lässt den Zuhörenden Raum, sich mit der Schönheit der Klangkomplexe selbst auseinanderzusetzen.

Nicht unwesentlich ist dabei der Einsatz von Pausen und Stille beziehungsweise seit dem Einsatz von Licht auch die Dunkelheit. Beides schneidet, unterbricht Klänge oder beendet sie, wirkt als Neutralisierer, als reflektierendes Moment für das Publikum, aber auch als strukturierte, gemessene Zeit. Indem Stille in den Arbeiten von Maierhof fast immer gemessene Zeit ist, bildet sie im Kosmos musikalischer Materialien eine ganz eigene Kategorie aus; zwischen rasender Geschwindigkeit und extrem gedehnter Viertel tauchen alle möglichen Formen von Pausen in seinen Partituren auf. Auch hier ist das Ziel unbedingte Genauigkeit in der Wahrnehmung bezogen auf die Klänge, die durch die Stille geteilt, unterbrochen oder verbunden werden.

Neben den bereits erwähnten Klängen des Alltags, die in Form von Aufnahmen in die Stücke integriert werden, spielt auch der Einsatz von Video bei Maierhof eine große Rolle. Auch hier sind es oft bereits existierende, nicht selten bekannte Spiel- oder Fernsehfilme, die Maierhof als Grundlage seiner Arbeiten seziert oder verlangsamt und sie so als etwas Neues, Unbekanntes erscheinen lässt. Durch das Weglassen großer Teile eines Films durch Schwärzung ganzer Bereiche wird die Handlung unkenntlich. Stattdessen treten andere Bereiche des Films in den Vordergrund, wie die Farbgebung oder wenn die Kamera an einem Hochhaus herunter filmt. Diese filmkompositorischen Elemente können dann in der kompositorischen Arbeit Maierhofs wieder auftauchen, durch Bewegungsabläufe oder Lichtobjekte auf der Bühne.

Komponist*innen

Interpret*innen