Theaterarbeit – Das Archiv des Berliner Ensembles
In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt wird das Theaterarchiv des Berliner Ensembles erschlossen und in Auswahl digitalisiert.

Das 1949 von Bertolt Brecht gegründete und von Helene Weigel lange Zeit als Intendantin geführte Berliner Ensemble (BE) zählt zu den wichtigsten Theaterbühnen Deutschlands. Das BE gehörte theatergeschichtlich zur Avantgarde und war ein Vorreiter in allen Bereichen der Bühnenpraxis. Seit der Gründung wurden Themen der deutschen Gegenwart verhandelt, die von hoher Brisanz und großem gesellschaftlichen Interesse waren. Während der DDR-Zeit stand das Theater zeitweilig unter politischem Druck und unterlag der Zensur. Seine kritische Position und seinen künstlerischen Anspruch hat sich das Berliner Ensemble bis heute bewahrt. Aus dieser herausragenden Position als Sprechbühne und aus der großen Dichte und Vollständigkeit des Materials resultiert der besondere Quellenwert der Überlieferung des BE. Als Spiegelbild gesellschaftspolitischer Diskurse in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Archiv über den engeren Bereich der Theatergeschichte und künstlerischen Praxis hinaus von großer Bedeutung für die Wissenschaft.
2017 übernahm die Akademie der Künste das mehr als 200 Regalmeter zählende Archiv. Zeitlich umfasst es die Jahre 1949 bis 2017, beginnend mit der Zeit von Bertolt Brecht und Helene Weigel, über die Intendanzen von Ruth Berghaus, Manfred Wekwerth, Heiner Müller, Stephan Suschke und andere bis zu Claus Peymann, der das Theater von 1999 bis 2017 leitete. Seine Entstehung verdankt das Archiv Bertolt Brechts ausgeprägtem Interesse an der Dokumentation seiner Arbeit zu Lehr- und Studienzwecken und zur Sicherung und Fortentwicklung der eigenen theaterpraktischen Grundsätze.
Die Bewilligung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglicht die Erschließung und Digitalisierung ausgewählter Teile des Bestandes (z.B. Inszenierungsmaterial, Proben- und Vorstellungsbücher, Modellbücher und Fotos). Ziel des Projektes ist es, das Material zu ca. 400 Inszenierungen im Zeitraum von 1949 bis 2017 in seiner Materialvielfalt und Dichte für Forschungs- und Lehrzwecke bereitzustellen und den Erhalt dieses Kulturguts von internationaler Bedeutung durch die Digitalisierung und Langzeitarchivierung dauerhaft zu sichern. Perspektivisch soll eine digitale Inszenierungsdokumentation die Geschichte dieser Bühne und die konkrete Theaterarbeit vorrangig für wissenschaftliche Zwecke recherchierbar und für ein breiteres Publikum erlebbar machen.
Berliner Ensemble (Archiv)
Berliner Ensemble (Historisches Fotoarchiv)
Die Restaurierung der Proben- und Vorstellungsbücher des Berliner Ensembles
Projektleitung: Sophie Werner, M.A.
Projektmitarbeit: Anja Adeoshun, Annedore Hainsch, Elias Nilges
Das Archiv des Berliner Ensembles. Ein Pilotprojekt zur Vermittlung von über 70 Jahren deutscher und internationaler Theatergeschichte
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
