KONTAKTE
Festival für Elektroakustische Musik und Klangkunst
Das KONTAKTE Festival zeigt auf, wie vielseitig zeitgenössische Klangkunst auf aktuelle technologische und gesellschaftliche Entwicklungen reagiert. Alle zwei Jahre werden die Akademie-Gebäude am Hanseatenweg und Pariser Platz von experimentellen Klangstrukturen durchzogen und verwandeln sich in Orte intensiven (Zu-)Hörens.

Über das Festival
Der Name „Kontakte“ spielt auf Karlheinz Stockhausens bahnbrechendes Werk gleichen Titels an (welches einen neuen Kontext für die Verbindung musikalischer Kategorien herstellte) sowie auf die in den 1980er-Jahren von Georg Katzer initiierte Veranstaltungsreihe des Studios für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste.
Das Festival baut auf dieser Tradition auf und präsentiert aktuelle Positionen der elektroakustischen Musik und Klangkunst. KONTAKTE versteht sich als Plattform für Innovation, interdisziplinären Austausch und intensives Zuhören. Internationale Künstler*innen und Partnerinstitutionen tragen dazu bei, die Tradition der elektroakustischen Musik lebendig zu halten und neue Impulse zu setzen.





Rückblick 2025
Vom 26. bis 30. Juni 2025 verbanden sich installative Soundarbeiten, eindrucksvolle Performances und elektroakustische Konzerte zu einem vielschichtigen und interdisziplinären Programm mit u. a. dem Ensemble Ascolta, dem GrauSchumacher Piano Duo, Thomas Schulz und Hanna Hartman sowie neuen Werken von Arezou Rezaei, Tony Elieh, Hainbach, Annette Krebs, Heather Frasch, Gerriet K. Sharma, Susanne Fröhlich – und dem vermutlich bisher umfangreichsten Lautsprecherorchester der Welt.

GrauSchumacher Piano Duo, Ming Tsao
Das GrauSchumacher Piano Duo ist spezialisiert auf ein Repertoire für zwei Klaviere mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Musik. In Zusammenarbeit mit international renommierten Komponist*innen entstehen regelmäßig Uraufführungen, neue Konzertformate sowie transdisziplinäre Projekte.
Der Komponist Ming Tsao schafft aus der Fokussierung auf die klangliche „Materialität“ eine eigenständige, ätherische Musik. Mit präziser, formal strenger Handschrift entwirft er ein zeitgenössisches, lyrisches Klangdenken voller Brüche und Perspektivwechsel.

Ming Tsaos Plus or Minus basiert auf Karlheinz Stockhausens experimenteller Komposition Plus-Minus (1963–1973) und interpretiert deren sieben Seiten als zweischichtige Struktur für zwei Klaviere. Eine Schicht folgt dabei streng den Vorgaben der Partitur, die andere nutzt Fragmente aus Stockhausens Mantra (1970) als kontrastierendes Material. Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Regel und Abweichung, Struktur und Klang – und fragt dabei, was Wahlfreiheit in der Komposition bedeutet.
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Rückblick 2024
NODES ist die kleine Schwester von KONTAKTE und fand als kürzeres One-off-Festival im Jahr 2024 statt. Zum Sommeranfang, vom 1. bis 3.6., erklang am Hanseatenweg ein dichtes Programm mit elektroakustischer Musik, Performances und Klangkunst. Im Fokus stand die Vielfältigkeit der Berliner Szene.
Das Berliner Lautsprecherorchester der beiden Hochschulen UdK und Hanns Eisler präsentierte Stücke auf bis zu 24 Lautsprechern. Die DEGEM zeigte anlässlich des 80. Geburtstags von Folkmar Hein eine Auswahl von Werken, die von dem ehemaligen Leiter des legendären Studios der TU Berlin beauftragt wurden. Dazu kamen Werke der Stipendiatinnen Viola Yip und Katharina Zimmerhackl sowie von Manfred Miersch. Stefan Streich präsentierte 20 Jahre nach der ersten Idee zum ersten Mal seine konzertante Multimedia-Installation Vier Celli. Abschließend gab es ein Live-Programm von Radio Industry.





Rückblick 2022
Zum vierten Mal veranstaltete das Studio für Elektroakustische Musik am 16. September sowie vom 22. bis 25. September 2022 das Festival KONTAKTE. Mit Ur- und Wiederaufführungen bot das Festival ein facettenreiches Spektrum aktueller künstlerischer Strömungen und Entwicklungen im Bereich der elektroakustischen Musik und Klangkunst. An fünf Tagen wurde das gesamte Akademie-Gebäude am Hanseatenweg mit Konzerten, Performances, Klanginstallationen und Panels bespielt. KONTAKTE ’22 beleuchtete grundlegende Fragestellungen der elektroakustischen Musik sowie deren künstlerische Produktion und Rezeption.
Das Festival kooperierte wieder verstärkt mit Künstler*innen der Freien Berliner Szene sowie aus dem deutschsprachigen und internationalen Raum, u. a. ensemble mosaik, Lange//Berweck//Lorenz, Trio Pony Says und Female Laptop Orchestra. Erneut konnten Kooperationen u. a. mit dem Institut für Neue Musik KLANGZEITORT, der Universität der Künste (UdK), der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin (HfM), der Technischen Universität Berlin (TU) und mit der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik (DEGEM) gewonnen werden.

Nessun Dorma (2021)
Zur Frage, wie der Mensch zukünftig mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotern koexistieren wird, stellte das Theater ein Experimentierfeld zur Verfügung, auf dem Emotionen, Sehnsüchte und Ängste buchstäblich durchgespielt werden konnten. Bei Nessun Dorma betritt die Sparte Oper Neuland: Zu einer alten Kassette mit Todesarien malte der Industrie-Roboter ARKA tagsüber Kunstwerke. ARKA traf auf einen dort arbeitenden Putzroboter: PUTZINI. Die beiden lieben und leiden, wie es sich für einen dramatischen Opernstoff gehört, diskutierten dabei über Imitation und Authentizität in der Kunst, über Liebe und Verrat.
Erdacht und umgesetzt von der Regisseurin Elsa-Sophie Jach, der Bühnenbildnerin Thea Hoffmann-Axthelm, dem Creative Technologist Markus Schubert und dem Creative Engineer Sebastian Arnd. Mit der Unterstützung von Robert Bücker (Physiker/Problemlöser) und Musik von Antoine Daurat und Roberto Fausti.

Female Laptop Orchestra
Nach Auftritten in Melbourne und Zagreb im Jahr 2019 setzte das Female Laptop Orchestra (FLO) seine Zusammenarbeit mit den japanischen Tanzkünstler*innen Fumi Tomioka, Aki Kawashita und Hiromi Hijikata fort und erforschte das telematische Musizieren, das durch Bewegung inspiriert und durch das Internet ermöglicht wird.
Für die Aufführung im Rahmen von KONTAKTE ’22 wurde eine Auswahl von Tanzvideos, die „die Landschaften innerhalb und außerhalb von uns“ zeigen, nach Berlin gestreamt und mit lokal und aus der Ferne produzierten Klangtexturen von Flöte, Trompete, Cello, Klavier, Schlagzeug, Live-Elektronik, Stimme und Soundscapes gemischt und verräumlicht.
Rückblick 2019
An fünf Tagen präsentierte KONTAKTE ’19 mit über 70 Werken, mehr als 20 Uraufführungen und etwa 120 Künstler*innen ein facettenreiches Spektrum aktueller Tendenzen elektroakustischer Musik. Besonderes Augenmerk lag auf neuen Produktionen, die sich ins Performative öffnen und spartenübergreifend Klang, Installation, Performance, Choreografie oder Theater vereinen. Das Festival stand im Zeichen menschlicher und musikalischer Interaktion.
Zentraler Bestandteil des Programms waren in Berlin verankerte Initiativen, die auf internationale Zusammenarbeit und Austausch setzen. Dazu gehörten das vom ensemble mosaik vergebene Förderstipendium 2019 „Progetto Positano“, ein Konzert des Kammerensembles Neue Musik mit Musiker*innen aus Shanghai sowie der T.I.T.O.-Marathon mit einem Line-up aus 14 der derzeit weltweit spannendsten Turntablisten, der am Tag des Berlin-Marathons (29.9.) den Ausklang von KONTAKTE ’19 bildete.
Premiere feierten der letzte Teil der Musiktheater-Trilogie Stadt Land Fluss von Daniel Kötter und Hannes Seidl sowie – erstmals in Deutschland – ein neues Projekt des französischen Objekttheaterkünstlers Laurent Bigot. Weitere Höhepunkte waren zwei szenische Produktionen von Helmut Oehring, immersive Performances von Thomas Ankersmit und Francisco López sowie neue Arbeiten von Chengbi An, Beatriz Ferreyra, Hanna Hartman, Mesías Maiguashca, Robin Minard, Caspar Johannes Walter u. a.
Zum Auftakt spielte das Ensemble Garage Kompositionen aus dem Umfeld des Feedback Studios Köln. Die Feedback Gruppe wurde im internationalen Gravitationszentrum Köln der 1970er-Jahre von Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar und David Johnson gegründet – unter dem Leitsatz der „Erforschung und Erweiterung musikalischer Kommunikationsformen“.

Progetto Positano
Progetto Positano ist ein Förderstipendium für junge Komponist*innen, das die Ernst von Siemens Musikstiftung in Zusammenarbeit mit dem ensemble mosaik 2017 ins Leben gerufen hat: Jedes Jahr werden zwei Stipendiat*innen eingeladen, einen Monat in der Casa Orfeo der Wilhelm-Kempff-Kulturstiftung in Positano an der italienischen Amalfi-Küste zu leben und zu arbeiten.
Im Anschluss an die Residenz in Italien präsentiert das ensemble mosaik die Werke der jeweiligen Stipendiat*innen im Rahmen eines Doppelporträtkonzerts in Berlin. Bisherige Stipendiaten waren: Johan Svensson (2017), Manuel Rodríguez-Valenzuela, Andreas Eduardo Frank (2018), Julia Mihály und Óscar Escudero (2019).
Rückblick 2017

Für vier Tage wurde die Akademie der Künste am Hanseatenweg mit Konzerten, Klanginstallationen, Künstler*innengesprächen und Workshops zu einem großen Experimentallabor. In seiner zweiten Ausgabe wurde das Festival mit 28 Ur- und Erstaufführungen und mehr als einhundert Künstler*innen aus 27 Nationen zum Zentrum elektroakustischer Musik und Klangkunst.
Historischer Programmschwerpunkt war Hermann Scherchens Elektroakustisches Experimentalstudio in Gravesano. Highlights waren u. a. drei neue Produktionen von Wolfgang Heiniger, Kirsten Reese und José María Sánchez-Verdú, die unter Einbeziehung von Hermann Scherchens rotierender Lautsprecherkugel in zwei Konzerten mit dem Ensemble ascolta und den Neuen Vocalsolisten uraufgeführt wurden.
Dazu kamen Neuproduktionen elektronischer Klangkunst, die den Schaffensprozess und die Interferenzen von Musik und Forschung als treibende Kräfte aufspürten, darunter Werke von José Manuel Berenguer, Christina Kubisch, Hans Peter Kuhn und Gerriet K. Sharma. Eine neue CD und die Inauguration eines neuen Kompositionspreises der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik sowie Künstler*innengespräche, in denen programmatische Themen von KONTAKTE ’17 diskutiert wurden, rundeten das Programm ab.

Die bewährten Partnerschaften mit der DEGEM, dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, der Universität der Künste, der Hochschule für Musik Hanns Eisler und der TU Berlin wurden in diesem Jahr mit neuen Mitstreiter*innen wie der Lebenshilfe Berlin und der Berliner Initiative Heroines of Sound erweitert.
Begleitet wurde das viertägige Veranstaltungsprogramm zudem von einer Präsentation mit Materialien aus dem Hermann-Scherchen-Archiv sowie einer Wandinstallation aus der Serie Das imaginäre Studio von Johanna Diehl, die sich mit den Apparaturen der elektronischen Studios der Nachkriegszeit beschäftigt, darunter Scherchens legendärer Nullstrahler. Als besondere internationale Gäste wurde das Staatliche Studio für Elektroakustische Musik in Havanna, Kuba, begrüßt, das in einer Koproduktion ein neues Konzertprojekt mit kubanischen Künstler*innen präsentierte.
Rückblick 2015
Die erste Ausgabe von KONTAKTE stellte aktuelle Positionen elektroakustischer Musik und Klangkunst von internationalem Rang vor, richtete sich an ein breites Publikum und bot Raum für Debatte und Reflexion des musikalischen Denkens im Kommunikationszeitalter. Festlicher Anlass für das Aufleben des Festivals war der 80. Geburtstags seines ursprünglichen Gründers, Georg Katzer, der die Veranstaltungsreihe in den 1980er-Jahren initiierte.
Das Programm vom 25. bis 27. September vereinte Uraufführungen, Werke der klassischen Avantgarde, Kammermusik und Live-Elektronik und bespielte mit Konzerten, Klanginstallationen, Performances und Filmen das gesamte Akademie-Gebäude am Hanseatenweg. Zudem wurden Georg Katzers CD Elektroakustische Kompositionen aus vier Jahrzehnten und die DEGEM-CD Grenzen exklusiv vorgestellt. Das Festivalprogramm wurde ergänzt durch Workshops, Künstlergespräche und eine Diskussionsrunde.
Die Verbindung von Tradition und Moderne spielte eine wesentliche Rolle. Premiere feierte Valerio Sannicandros Raumkomposition Ephemeris, die von beiden Seiten des Studiosaals der Akademie der Künste zu hören und zu sehen war. Neue Arbeiten wurden u. a. von den Komponisten Hans Tutschku und dem libanesischen Improvisationsmusiker Mazen Kerbaj präsentiert. Im Kontrast dazu waren Ausnahmewerke und seltene Zeitdokumente des 20. Jahrhunderts von Boris Blacher, Roberto Gerhard, Hermann Scherchen, Karlheinz Stockhausen u. a. zu hören.
Zu den weiteren Höhepunkten des Festivals gehörten Peter Vogels legendäres Schattenorchester und die Voraufführung des Films The Subharchord. Impulse für die Arbeit von Nachwuchskünstler*innen gaben Open Calls und Kompositionspreise, die von den Partnerinstitutionen ausgelobt wurden; die ausgezeichneten Werke waren im Programm integriert. Gastländer von KONTAKTE ’15 waren Mexiko und Kanada.

Karen Power, Sounding Water (UA)
In Sounding Water verbindet Karen Power ihr Interesse an Feldaufnahmen, den natürlichen Rhythmen unserer Welt, musikalischen Strukturen und dem Aufführungsraum zu einer teils improvisierten, teils komponierten Laptop-Performance, die sich mit Wasser in seinen vielfältigen Zuständen befasst. Die Live-Elektronik-Performance hebt die vielen hörbaren und unhörbaren Eigenschaften von Wasser in all seinen verschiedenen Zuständen hervor – vom gefrorenen arktischen Eiswasser über den fließenden irischen Blackwater River bis hin zur ohrenbetäubenden Unterwelt in den laotischen Reisfeldern.
Karen Powers teilweise improvisierte Soundscape-Performances schaffen auf einzigartige Weise gleichzeitig reale und imaginäre Klanglandschaften, durch die das Publikum wandern und die es erkunden kann. Sie ist darauf spezialisiert, hörbare und unhörbare Umgebungs- und Alltagsgeräusche, die sie rund um die Welt aufgenommen hat, als Katalysatoren für die Konstruktion vielfältiger Klangpfade und -landschaften zu nutzen, die außerhalb des von ihr geschaffenen Performance-Raums physisch nicht nebeneinander existieren könnten.

Mazen Kerbaj, Multiplied
Multiplied ist eine 8-Kanal-Improvisation für Trompete und Live-Modular Set, produziert vom Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste in Kooperation mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
Mazen Kerbaj ist ein libanesischer Comiczeichner, bildender Künstler und Musiker, der 1975 in Beirut geboren wurde. Er arbeitet zudem an ausgewählten Illustrations- und Designprojekten und hat an der American University of Beirut unterrichtet. Kerbaj ist Autor von 15 Büchern, die in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden, und seine Arbeiten wurden in Galerien, Museen und auf Kunstmessen weltweit ausgestellt. Er gilt weithin als einer der Initiatoren und wichtigsten Akteure der libanesischen Szene für freie Improvisation und experimentelle Musik. Als Trompeter erweitert er die Grenzen des Instruments bis zur Unkenntlichkeit.
Förderung und Partnerorganisationen
In den bisherigen Ausgaben von KONTAKTE arbeitete das Festival mit verschiedenen Förderinstitutionen, unabhängigen Kollektiven und Initiativen sowie Medien zusammen:
- Sektion Musik der Akademie der Künste
- Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik (DEGEM)
- Berliner Künstlerprogramm des DAAD
- Universität der Künste Berlin (UdK)
- Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin (HfM)
- KLANGZEITORT – Institut für Neue Musik
- Technische Universität Berlin (TU)
- KONTRAKLANG
- ensemble mosaik
- Ensemble KNM Berlin
- Deutschlandfunk Kultur
- Shanghai Conservatory of Music
- emitter micro
- Helmholtz-Zentrum Berlin
- Musik der Jahrhunderte, Stuttgart
- Laboratorio Nacional de Música Electroacústica de Cuba
- Heroines of Sound / Heroines Editions
- Lebenshilfe Berlin
- singuhr – projekte
- Berliner Zeitung
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- Neue Zeitschrift für Musik
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