Stimmen
Spuren und Séancen
3.11.2026, 18 Uhr

LesungMusikPerformance

Mit Andy Ammer, Ujesh Buchele, Andrei Cucu, Duo driftmachine (Andreas Gerth, Florian Zimmer), Friedrich Dieckmann, Sean Douglas, Kerstin Hensel, Ulrich Peltzer, Kathrin Röggla, Steffi Weismann, JD Zazie

Tickets:
Seitliche Silhouette einer Person, die in ein Megafon spricht
Patrick Fore – Unsplash

Die Stimme ist Ausdruck des Lebendigen: Sie verrät etwas über den Körper und die Stimmung, trägt persönliche und historische Spuren in sich. Sie kann zugleich täuschen, imitieren oder verstummen. Sie erhebt sich, verschafft Gehör und wird zum Ausdruck von Individualität und Widerstand.

Doch was geschieht, wenn Stimmen die Zeit überdauern und ihre Urheber*innen längst verstummt sind? Wenn sie aus Archiven zurückkehren, neu zusammengesetzt werden oder als künstliche Stimmen unsere Vorstellung vom Menschlichen herausfordern? Der Abend widmet sich der Stimme als literarischem Ausdruck, akustischem Phänomen und Trägerin von Erinnerung.

Hände an einem DJ Mischpult
Ivan Mudruk – Pexels

Eine Stimmperformance eröffnet das Programm: Die Schriftstellerin Kerstin Hensel gestaltet gemeinsam mit Ujesh Buchele und Sean Douglas einen sprachspielerischen, satirischen Auftakt.

Beim anschließenden Rundgang durch drei Spielorte wird die Stimme immer wieder anders erfahrbar: als gesprochene Sprache, als historische Aufzeichnung, als Klang und als körperlich-mechanische Präsenz. In der „Séance Méchanique“ beschwören Andrei Cucu, Steffi Weismann und JD Zazie gemeinsam vergangene Stimmen herauf. Plattenspieler, mechanische Verstärkung und Flüstertrichter öffnen einen Raum, dessen Grenze zwischen Analogem und Digitalem, zwischen Anwesenheit und Abwesenheit verschwimmt.

Danach treten historische Tonaufnahmen in Dialog mit der Gegenwart: Friedrich Dieckmann spricht über Ernst Bloch. Ulrich Peltzer widmet sich den Stimmen von Gottfried Benn und Johannes Becher. Kathrin Röggla bringt die literarischen Stimmen von Silvia Bovenschen, Heiner Müller, Ilse Aichinger und Friederike Mayröcker in neue Beziehungen und erkundet, wie Literatur über Zeiten, Körper und Sprachräume hinweg nachhallt.

Den Abend beschließen Andy Ammer und das Duo driftmachine mit einer audioperformativen Live-Interpretation: Aufnahmen einer Lesung von Heiner Müller zu Edgar Allan Poe werden gesampelt, rhythmisiert und musikalisch neu zusammengesetzt. Die Stimme löst sich dabei aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und gewinnt eine neue klangliche Gestalt. Zwischen Literatur, Archiv und experimentellem Sound entspinnt sich ein Abend über Lebendigkeit der Stimmen, und das, was hörbar bleibt, wenn Menschen verstummt sind.