Sandra Prechtel
Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden
27.9.2026, 19 Uhr

FilmPremiereGespräch

Die Regisseurin Sandra Prechtel entwirft anhand von Archivmaterial ein komplexes Porträt des Gesamtkünstlers Einar Schleef, der sich in seinen provokanten Theaterinszenierungen an der deutsch-deutschen Wirklichkeit abarbeitete.

Kinopremiere mit Sandra Prechtel, Gerhard Ahrens, Thomas Irmer, Katja Weingartshofer und Martin Wuttke

  • Standort:Hanseatenweg, Studio
  • Datum:27.9.2026
  • Uhrzeit:19 Uhr
  • Preis:7,50 EUR (Ermäßigt: 5 EUR)
  • Sprachen: Deutsch
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  • Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden
    Dokumentarfilm, D 2026, 93 Min.
    Recherche, Buch, Regie: Sandra Prechtel
    Montage: Olaf Voigtländer, Katja Dringenberg
    Mit: Einar Schleef, Wilhelm Schleef, Karl von Appen, Jutta Hoffmann, Jürgen Holtz, Gertrud Schleef, Marcel Reich-Ranicki, Martin Wuttke, Peter Iden, Rolf Hochhuth, Gerhard Ahrens, Elfriede Jelinek, Sigrid Löffler, Alfred Biolek

     

    Zu Gast sind die Regisseurin Sandra Prechtel, Schleefs ehemaliger Dramaturg Gerhard Ahrens und der Schauspieler Martin Wuttke
    Moderation: Thomas Irmer (Redakteur, Theater der Zeit)
    Einführung: Katja Weingartshofer (Archiv Darstellende Kunst, Akademie der Künste)

Tickets:
Mehrere Schwarz-Weiß-Passfotos von Einar Schleef, die Fotostreifen sind vertikal nebeneinander angeordnet
Einar Schleef, Still aus Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden von Sandra Prechtel
© Filmgalerie 451

Einar Schleef war Theatermacher, Bühnenbildner, Schriftsteller, Fotograf, Maler und Filmemacher. Ein Gesamtkünstler. Geboren 1944 im sachsen-anhaltinischen Sangerhausen lebte er in Ost- und Westdeutschland, in vier Systemen. Ein Zuhause fand er in keinem Deutschland – und ist deshalb sein genauester Chronist. Er grub sich mit allen künstlerischen Mitteln in die deutsche Realität und deren Abgründe hinein. Er entschied sich für ein Leben in Extremen zwischen den Künsten.

Zunächst studiert er Malerei an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst, wird exmatrikuliert, beginnt zu fotografieren, wird Meisterschüler für Bühnenbild bei Karl von Appen, der schon mit Brecht zusammengearbeitet hatte. Gleich die erste Arbeit an der Volksbühne erregt Aufsehen; Wechsel zum Berliner Ensemble, gemeinsame Regie mit B. K. Tragelehn. Die Inszenierung Fräulein Julie führt zu Jubel und seinem Rauswurf. Im Westen beginnt er zu schreiben. 1980 erscheint Gertrud, ein Roman über seine Mutter.

Inszenierungen in Frankfurt und nach der Wende dann wieder am Berliner Ensemble wie Wessis in Weimar und Puntila lösen heftige Debatten aus. Auf Kündigungen folgen neue Engagements. Auf der Bühne findet er, der unter einer schweren Sprachhemmung leidet, durch Text zum Sprechen. Mit jeder Inszenierung sprengt Schleef das deutsche Sprechtheater. Bis heute prägend ist der Einsatz der Chöre, die er dem antiken Theater entlehnt. Der Krieg, in den er hineingeboren wurde, ist für ihn nicht vorbei, sondern der Urgrund von allem, die Fremdheit zwischen Ost und West hat sich für ihn nie aufgelöst. „Die Tragödie ist die Welt, wie sie ist“, sagt Schleef. „Die Komödie ist die Erholung davon.“

Ein Kontaktabzug, der zwei Schwarz-Weiß-Bilder zeigt, links eine Ansicht von Zugschienen, rechts Einar Schleef, der sein Spiegelbild fotografiert
Einar Schleef, Still aus Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden von Sandra Prechtel
© Filmgalerie 451

Schleef muss wiederentdeckt werden, sagt die Regisseurin Sandra Prechtel, die mit ihrem Film eine bewusst subjektive Annäherung wagt – an Einar Schleef als Mensch, Künstler und Tragöde, der sich die Gespenster der Geschichte durch Arbeit anverwandelt, um sie der Gesellschaft im Zerrspiegel entgegenzuhalten. Aus der Fülle von Archivmaterial, das zu großen Teilen in der Akademie der Künste hinterlegt ist, hat Prechtel in einer verdichteten, komplexen Montage einen Parforceritt durch Schleefs Biografie entworfen, die sich mit ihren Fragen an die Gegenwart wendet.