„Ich lebe in den Tag hinein und in die Nacht“
Soiree für Strawalde
10.7.2026, 19 Uhr

LesungGesprächMusikFilm

Er ist Maler und Regisseur, Dichter und Fotograf, ein Ausbund an Kreativität und unerschöpflich in seiner Lust am Experiment. Nun wird Jürgen Böttcher (alias Strawalde) 95 Jahre alt. Anlass für uns, ihn und sein Werk zu würdigen.

Ein Abend mit Texten, Gedichten, Fotografien, Filmen und Musik.

  • Standort:Hanseatenweg
  • Datum:10.7.2026
  • Uhrzeit:19 Uhr
  • Sprachen: Deutsch
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  • ab 19 Uhr, Studiofoyer
    Programm mit Peter Badel, Matthias Flügge, Volker Koepp, Dieter Kosslick, Gerd Kroske, Mark Lammert, Jutta Penndorf, Nino Sandow, Hilke Wagner u. a.

    Begrüßung: Manos Tsangaris, Komponist, Präsident der Akademie der Künste 

    Moderation: Helke Misselwitz

    Eintritt frei

    20.30 Uhr, Studio
    Filmvorführung: Jahrgang 45, Spielfilm DDR 1966/90, 94 Min.
    Regie: Jürgen Böttcher
    Drehbuch: Klaus Poche, Jürgen Böttcher
    Kamera: Roland Gräf
    Darsteller*innen: Monika Hildebrandt, Rolf Römer u. a.

    Einführung: Claus Löser im Gespräch mit Jürgen Böttcher

    € 7,50/5

Ein Künstler im schwarzen Hemd (Strawalde) bemalt mit einem Spachtel eine Leinwand in seinem Atelier
Strawalde, 2011
Foto: © pbadel / für das Werk von Strawalde: © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Geboren 1931 in Frankenberg/Sachsen, aufgewachsen in Strahwalde, das ihn zu seinem Pseudonym inspirierte, studierte er zunächst Malerei an der renommierten Dresdner Akademie für Bildende Künste. Es folgte die Regieausbildung in Babelsberg und anschließend eine Anstellung beim DEFA-Dokumentarfilmstudio, wo er von 1961 bis 1990 zahlreiche Filme realisierte, die von Rangierern und Ofenbauern, Wäscherinnen und Köchinnen, Künstlern und der Kunst, dem Tierpark und Martha (1978), der letzten Trümmerfrau in Berlin, handeln. Sein Blick verwandelt Alltägliches und selbst die Tristesse jener Zeit in Poesie. Immer wieder musste er Verbote und Eingriffe in seinen Filmen und seiner Malerei hinnehmen. Der einzige Spielfilm, den er drehen durfte, Jahrgang 45, konnte erst 1990 aufgeführt werden.

In dem Triptychon Verwandlungen (1981) verschmelzen Malerei, Film, Experiment und Frechheit, wie sie ihm auch zu eigen ist, auf kongeniale Weise. In Bewunderung für die Maler Emanuel de Witte, Paulus Potter und Giorgione übermalt er deren Bilder, die ihm nur im Kunstpostkartenformat vorlagen, um sie sich so auf ebenso amüsante wie spielerische Art anzueignen.

Seine Filme wurden und werden auf internationalen Festivals gezeigt und gefeiert; nicht immer wurde ihm von den DDR-Kulturfunktionären erlaubt, diese auch zu begleiten. Sein bildkünstlerisches Werk ist mittlerweile in wichtigen Sammlungen vertreten. Vor allem aber bleibt: Jürgen Böttcher, der Inspirator, eine Lichtgestalt, der mehrere Generationen von Künstler*innen über die DDR hinaus beeindruckte und beeinflusste.

Am 10. Juli erwarten wir zahlreiche Gratulant*innen, um Jürgen Böttcher/Strawalde zu ehren und zu feiern. Am Abend läuft dann Jahrgang 45, „einer der schönsten deutschen Spielfilme“ laut Helke Misselwitz, die den Abend kuratiert hat und moderieren wird.

Jahrgang 45

Jahrgang 45, vornehmlich gedreht im Prenzlauer Berg, zum Teil mit Laien, handelt von einem jungen Paar, das sich trennen will. Aber wie soll man leben? Al weiß vor allem, was er nicht will. Er ist ein Seelenverwandter jener Helden der 1960er, als das Kino, in  Ost- wie Westeuropa, vom Aufbegehren und dem Ausbruch aus den kleinbürgerlichen Lebensmodellen handelte. „Sieht man Jahrgang 45 heute, so verblüffen seine Frische, seine Beiläufigkeit, seine atmosphärische Dichte.“ (Viennale, 2026)