Mithu M. Sanyal erhält den Heinrich-Mann-Preis 2026 der Akademie der Künste
Der Heinrich-Mann-Preis 2026 geht an die Essayistin Mithu M. Sanyal. Der dreiköpfigen Jury gehören Omri Boehm, Mely Kiyak und Eva Menasse an.
Aus der Begründung der Jury: „Mithu M. Sanyal ist eine der produktivsten und originellsten Essayist*innen ihrer Generation. Sie verbindet dabei die Sorgfalt der Wissenschaftlerin mit dem Talent der politischen Kommentatorin. Dazu kommt die lebhafte und originelle Sprache der Schriftstellerin. Wie bei jeder guten Essayistin darf man ihr beim Denken zusehen; die Pros und Contras ihrer Thesen wägt sie nachvollziehbar gegeneinander ab. Dabei besitzt sie die Offenheit und geistige Freiheit, manche Fragen als derzeit unentscheidbar stehen zu lassen. Angesichts von zunehmender medialer Unversöhnlichkeit und gesellschaftlicher Spaltung ist Mithu M. Sanyals sanfte, aber nachdrückliche Stimme zu zahlreichen umstrittenen Fragen der Zeit unverwechselbar und ein Beispiel dafür, wie man diskutieren sollte: mit möglichst guten, fein abgewogenen Argumenten und ganz ohne persönlichen Zorn.“
Der mit 10.000 Euro dotierte Essayistik-Preis wird am 27. März 2026 anlässlich des Geburtstages des Schriftstellers Heinrich Mann in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin verliehen. Die Preisträger*innen der letzten Jahre waren Mely Kiyak (2025), Lena Gorelik (2024) und György Dalos (2023).
Mithu M. Sanyal wurde 1971 in Düsseldorf als Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters geboren. Sie ist Kulturwissenschaftlerin und Schriftstellerin sowie als Kritikerin tätig für die Medien Deutschlandfunk, SWR, WDR, BBC, Der Spiegel, The Guardian, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, taz, etc. Als Jurorin sitzt sie u. a. in der Jury für den Ingeborg-Bachmann-Preis. Für ihren Debütroman Identitti (Hanser, 2021) wurde sie mit dem Ernst-Bloch-Preis und dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ihr neuer Roman Antichristie (Hanser, 2025) wurde ebenfalls für den Deutschen Buchpreis nominiert und erhielt den Erich Pawlu-Preis. Weitere Veröffentlichungen: Vulva (Wagenbach), Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens (Nautilus), Mithu Sanyal über Emily Brontë (KiWi).