Kunstpreis Berlin: Halbierung des Preisgeldes stellt Glaubwürdigkeit der Kulturpolitik infrage

Datum und Uhrzeit:17.3.2026, 11 UhrSektion:Presse

Die Akademie der Künste protestiert gegen die Halbierung des Preisgeldes des Kunstpreises Berlin Jubiläumsstiftung 1848/1948. Sie protestiert ebenso gegen die bislang ausgebliebene Antwort des Regierenden Bürgermeisters auf zwei Schreiben der Akademie der Künste. 

Berlin bezeichnet sich als Kulturmetropole. In politischen Reden wird die Kunst als unverzichtbar für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und internationale Ausstrahlung hervorgehoben. An diesen Aussagen muss sich Kulturpolitik im konkreten Handeln messen lassen.

Der Kunstpreis Berlin wurde 1948 in Erinnerung an die Märzrevolution von 1848 ausdrücklich als politischer Preis gestiftet. Er steht für die Verbindung von künstlerischer Freiheit und demokratischer Selbstvergewisserung und war ein kulturpolitisches Bekenntnis in einer Zeit des Neubeginns nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus. Kunst sollte nicht schmücken, sondern mit ihren eigenen Mitteln am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft mitwirken.

Heute umfasst der Kunstpreis neben dem Großen Kunstpreis sechs weitere Auszeichnungen in allen an der Akademie der Künste vertretenen Sparten. Neben etablierten Positionen werden regelmäßig auch herausragende jüngere Künstlerinnen und Künstler geehrt, für die das Preisgeld eine konkrete Förderung darstellt (Liste aller Preisträger*innen seit 1948 hier). Das Land Berlin stellt für alle Preisgelder eine Summe von 45.000 Euro zur Verfügung, die sich auf sieben Auszeichnungen verteilt. Der Große Kunstpreis ist mit 15.000 Euro dotiert, die sechs weiteren Kunstpreise mit jeweils 5.000 Euro. Bereits jetzt handelt es sich um vergleichsweise moderate Summen. Eine Halbierung würde jede einzelne Auszeichnung spürbar entwerten und den Fortbestand des Preises insgesamt gefährden. 

Die Akademie der Künste trägt bereits heute sämtliche organisatorischen und finanziellen Aufwendungen für Jurys, Durchführung und Kommunikation aus ihrem Budget – eine Summe, die das Preisgeld übersteigt. Die beschlossene Kürzung träfe daher ausschließlich die Preisträgerinnen und Preisträger, nicht die Institution.

Am 18. März erhält Meredith Monk den Großen Kunstpreis Berlin 2026. Die Komponistin, Vokalkünstlerin, Regisseurin und Choreografin zählt zu den international einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart. Sie steht für die Strahlkraft dieses Berliner Preises. Wer eine Künstlerin dieses Formats ehrt und zugleich das Preisgeld für sämtliche Auszeichnungen halbiert, setzt ein widersprüchliches kulturpolitisches Signal.

Im Gesamthaushalt des Landes mag die Einsparung von 22.500 Euro gering erscheinen. Ihr politischer Schaden ist jedoch erheblich. Kulturpolitik entscheidet sich nicht in Reden, sondern im Haushalt. Angesichts der aktuellen Herausforderungen für demokratische Institutionen zeugt eine solche Prioritätensetzung von mangelndem historischem Bewusstsein und schwächt die demokratische Selbstvergewisserung dieser Stadt.

Die Akademie der Künste fordert das Land Berlin auf, die Halbierung des Preisgeldes zurückzunehmen und die Finanzierung des Kunstpreises Berlin in voller Höhe zu sichern. Sie ruft die Berliner Öffentlichkeit, die Kulturszene sowie frühere Preisträgerinnen und Preisträger dazu auf, sich diesem Protest anzuschließen. Der Kunstpreis Berlin ist Teil der demokratischen Identität dieser Stadt. Wer ihn schwächt, schwächt diese Identität.