Akademie der Künste vergibt Käthe-Kollwitz-Preis 2026 an Teresa Margolles
Preisvergabe im Herbst 2026
Die mexikanische Künstlerin Teresa Margolles wird mit dem Käthe-Kollwitz-Preis 2026 ausgezeichnet. Die Akademie der Künste ehrt mit dem Preis eine Künstlerin, die sich mit den sozialen Ursachen und Folgen von Tod, Zerstörung, Vertreibung, Diskriminierung, Elend und Gewalt auseinandersetzt.
Bekannt ist sie vor allem für ihre Werke, die sich mit der sich rapide wandelnden sozialen und wirtschaftlichen Lage Mexikos befassen und den damit verbundenen prekären Situationen, bedingt durch Kriminalität. Diese Auseinandersetzung steht exemplarisch für weltweite strukturelle Ungleichheiten in Gesellschaften, für steigendende Migration und Grenzkonflikte. Margolles bildet den Alltag ihrer Heimat ab, ohne jedoch ausdrücklich Spektakuläres sichtbar zu machen. In dieser Dynamik erscheint Mexiko wie eine Blaupause, die für multiple Bewegungen stehen kann. Ihre Medien sind Fotografie, Installation, Aquarelle, Performance, Objekte und Sound. Margolles war 2017 als Fellow des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin und präsentierte 2018 in der daadgalerie eine Auswahl ihrer Arbeiten in der Ausstellung „Sutura“.
Die Jury, bestehend aus den Akademie-Mitgliedern Rosa Barba, Alexandra Bircken und Raimund Kummer, überzeugten Margolles Werke, „weil sie die Emotionen vieler Menschen in singulären ‘Gesten’ anspricht. Die gebürtige Mexikanerin webt den Schmerz subtil in den Wahrnehmungsprozess. In der Gegenwärtigkeit des Wahrnehmenden werden anonyme Opfer von Gewaltsystemen zu virtuellen Agenten, ihre Stimmen bekommen in Margolles Werk einen signifikanten Platz“. Die Widerstände des Verdrängten und der Verdrängung würden durch und in Margolles‘ Arbeiten für Augenblicke durchbrochen, so die Jury. „Ihre Werke sind implizit und explizit intensiv, gehen tief unter die Haut, drängen sich in ihrer Vehemenz dem Betrachter auf. Wobei der intime Gegenstand der Darstellung, des Dargestellten im Vordergrund stehen.“
Der Preis wird im Herbst 2026 in der Akademie der Künste am Pariser Platz verliehen. Anlässlich der Preisvergabe wird Teresa Margolles eine installative Arbeit im Akademie-Gebäude am Pariser Platz realisieren; es erscheint eine kleine Publikation.
Teresa Margolles, 1963 in Culiacán, Sinaloa (Mexiko) geboren, lebt und arbeitet in Mexico City und Madrid. Sie besuchte eine Kunstschule in Culiácan, studierte an der Universidad Nacional Autónoma de México Kommunikations-wissenschaften und absolvierte beim Servicio Médico Forense (Gerichtsmedizinischer Dienst von Mexiko-Stadt) eine Ausbildung zur Assistentin der Gerichtsmedizin. 1990 gründete sie mit Arturo Ángulo Gallardo und Juan Luis García Zavaleta das Künstlerkollektiv SEMEFO (Abkürzung für Servicio Médico Forense). Zunächst trat das Kollektiv als Death-Metal-Rock-Band und Underground-Performance-Gruppe auf und realisierte bis 1999 u. a. Ausstellungen, Performances, Installationen und Videos, in denen es die soziale Gewalt und den Tod in Mexiko thematisierte. Dabei experimentierte das Kollektiv auch mit menschlichen Überresten. Teresa Margolles wurde bereits in diesen Jahren künstlerisch tätig und stellte ihre Arbeiten aus, um 2000 verließ sie das Kollektiv. 1994 und 1996 Stipendium Jóvenes Creadores (Skulptur und alternative Medien) des Fondo Nacional de Cultura y las Artes. 1999 Teilnahme an einem künstlerischen Austauschprogramm zwischen Mexiko und Kolumbien, 2017 Fellow des Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
Teilnahme an internationalen Gruppenausstellungen, darunter die Biennale di Venezia (Mexikanischer Pavillon 2009, Hauptausstellung 2019, 2024), 2. Sydney Biennale (2020) und Manifesta 11, Zürich (2016). Dazu zahlreiche Einzelausstellungen in Museen weltweit wie MARCO, Monterrey, Mexiko; BPS22, Charleroi; Museo de Arte Moderno de Bogotá; Witte de With, Rotterdam; Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich; Kunsthalle Fridericianum, Kassel; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt.
Der mit 12.000 Euro dotierte Käthe-Kollwitz-Preis wird seit 1960 jährlich an bildende Künstlerinnen und Künstler vergeben. Preisträger*innen der letzten Jahre waren Candida Höfer (2024), Sandra Vásquez de la Horra (2023), Nan Goldin (2022), Maria Eichhorn (2021), Timm Ulrichs (2020), Hito Steyerl (2019), Adrian Piper (2018) und Katharina Sieverding (2017).
Der Preis, ein künstlerisches Projekt und/oder eine Ausstellung sowie die begleitende Publikation werden seit über 30 Jahren mitfinanziert von der Kreissparkasse Köln, Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln.
Weitere Informationen online: Käthe-Kollwitz-Preis