Akademie der Künste übernimmt Archiv von Norman Manea

Datum und Uhrzeit:16.7.2026, 10 UhrSektion:Presse

Einer der wichtigsten rumänischen Autoren, Norman Manea, hat seinen künstlerischen Vorlass der Akademie der Künste übergeben. Am 19. Juli 2026 begeht der seit Jahrzehnten in New York lebende Künstler seinen 90. Geburtstag. Seit 2006 ist Manea Mitglied der Akademie der Künste.

Sein Archiv beinhaltet Werkmanuskripte, Druckbelege, Materialsammlungen und Korrespondenzen u. a. mit Gabriela Adameşteanu, Louis Begley, Rosalind Belben, Matei Călinescu, Andrei Corbea-Hoișie, Edgar Hilsenrath, Mircea Iorgulescu, Edward Kanterian, Imre und Magda Kertész, Volker Koepp, Claudio Magris, Cynthia Ozick, Marta Petreu, Édouard Roditi, Philip Roth, Ernesto Sábato, Dieter Schlesak, Paul Schuster, Saul Steinberg, Mario Vargas Llosa, Leon Volovici und Elie Wiesel. Das Schriftgut steht der Forschung ebenso zur Verfügung wie Belegdrucke seiner Werke und weitere Publikationen aus dem Werkzusammenhang. Ein erster Teil des Bestandes ist bereits in der Archivdatenbank der Akademie der Künste katalogisiert.

Zentrales Thema seines breit gefächerten Werks ist die Erfahrung der Deportation und des Exils: Wie kann das Individuum in Situationen extremer Gefährdung durch Antisemitismus, Holocaust und Diktatur überleben? Was macht „exilierte Sprache“ aus? Seine Erzählungen und Romane, Essays und Interviews kreisen immer um die Frage persönlicher Freiheit und um die Folgen, auch die kreativen Folgen von Entwurzelung und Deprivation. In Arbeiten etwa zu Mircea Eliades Nähe zum rumänischen Faschismus nähert er sich der Thematik aus historischer Perspektive, was ihm im postkommunistischen Rumänien erneut Schmähungen und antisemitische Diffamierung eintrug.

Kurzbiografie
Norman Manea wurde 1936 in Suceava geboren und 1941 mit seiner Familie in ein Konzentrationslager in der Ukraine deportiert. Er überlebte und kehrte nach der Befreiung 1945 nach Rumänien zurück. Von 1954 bis 1959 studierte er an der Technischen Universität für Bauwesen in Bukarest mit Abschluss als Wasserbauingenieur und arbeitete von 1965 bis 1971 als Chefingenieur und Wissenschaftler in Bukarest. Nach ersten Erfolgen als Lyriker und Erzähler ntschloss er sich zu einem Leben als freier Schriftsteller. 1986 gelangte er mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) nach Berlin. Seit 1988 lebt er in New York und war bis zu seiner Emeritierung 2017 Professor für European Studies and Culture am Bard College. Norman Manea ist neben seiner Mitgliedschaft in der Akademie der Künste Fellow der Royal Society of Literature (2011) sowie des Institute for Humanities, New York (2012), und PEN-Mitglied. Er schreibt in rumänischer Sprache, seine Werke wurden in mehr als 15 Sprachen übersetzt. Regelmäßig publiziert er in der Literaturzeitschrift der Akademie der Künste Sinn und Form.

Werke in deutscher Übersetzung (Auswahl)
Roboterbiographie und andere Erzählungen (1987), Fenster zur Arbeiterklasse (1989), Training fürs Paradies. Erzählungen (1990), Der Trenchcoat. Erzählungen (1990), Trennwand. Erzählungen (1992), Der schwarze Briefumschlag. Roman (1995), Über Clowns. Essays (1998), Die Rückkehr des Hooligan. Autobiographie (2004), Oktober, acht Uhr. Erzählungen (2007), Gespräche im Exil. Mit Hannes Stein (2011), Die Höhle. Roman (2012), Wir sind alle im Exil. Essays (2015), Der Schatten im Exil. Roman (2023)

Auszeichnungen (Auswahl)
1992 Guggenheim und MacArthur Foundation Fellowships, 1993 National Jewish Book Award, 2002 Premio Nonino, 2006 Prix Médicis étranger, 2010 Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres, 2011 Nelly-Sachs-Preis, 2016 Steaua României (Stern von Rumänien), 2016 Premio FIL de Literatura en Lenguas Romances

Für Rückfragen:
Helga Neumann, Literaturarchiv der Akademie der Künste, Tel. +49 (0)30 200 57-3229, helga.neumann@adk.de