Akademie der Künste trauert um VA Wölfl (1943–2026)
Der Bildende Künstler und Fotograf, Choreograf und Tanztheaterleiter VA Wölfl, geboren am 19. Dezember 1943 in Rouen, ist am 1. März 2026 in Heiligenhaus bei Düsseldorf gestorben. Er war seit 2007 Mitglied der Akademie der Künste, Sektion Darstellende Kunst.
Wölfl studierte von 1961 bis 1966 Malerei, u. a. bei Oskar Kokoschka an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg, und anschließend bis 1969 Fotografie an der Folkwang Hochschule in Essen. Im Rahmen des Studiums porträtierte er in New York Künstler wie Andy Warhol, 1969 dokumentierte er in einer einzigartigen Schwarz-Weiß-Serie das Woodstock-Festival und war seither als Freier Künstler tätig.
Sein multidisziplinäres Arbeiten mit experimenteller Fotografie, Performance, Film- und Videokunst fand seinen künstlerischen Höhepunkt und international ausgiebig rezipierten Ausdruck in den Bühnenwerken des Ensembles NEUER TANZ (1987–2024), das er gemeinsam mit der Choreografin Wanda Golonka gegründet hatte und seit 1995 allein führte. Bis zum Ende der Arbeit von NEUER TANZ entstand in jährlicher Neuproduktion ein die Ästhetik des Tanztheaters auf ganz eigene Weise bildkünstlerisch inspirierendes und prägendes Werk, das mit Stücken wie Ballettabend, Revolver und Ich sah: Das Lamm auf dem Berg Zion, Offb. 14,1 regelmäßig auf den großen europäischen Bühnen und Festivals zu sehen war.
Für seine Arbeit wurde VA Wölfl vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem World-Wide-Video-Award (1982), dem Deutschen Produzentenpreis für Choreographie (1995), dem Deutschen Kritikerpreis (2006) und der Nominierung für den Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Beste Choreographie (2008).
Akademie-Mitglied Reinhild Hoffmann würdigt VA Wölfl: „— VA Wölfl war Schüler von Prof. Otto Steinert, der den Begriff der subjektiven Photographie prägte.— Zwei frühe Werke von VA Wölfl sind bezeichnend für seine Arbeit: eine unentwickelte Filmrolle hinter Glas in einem Bilderrahmen und die Aktion: „Lichtbrechen“, in der er eine Leuchtstoffröhre auf seinem Knie bricht.— Ein unvollendeter Prozess, eine Aktion mit unerwartetem Verlauf, und Licht, das in ungewöhnlicher Weise ein Hauptakteur in seinen Arbeiten ist, wie auch sein versteckter Humor!“
Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.
Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste