Akademie der Künste trauert um Rosa von Praunheim (1942–2025)
Rosa von Praunheim, geboren 1942 in einem Rigaer Gefängnis, verstarb am 17. Dezember 2025 in Berlin. Seit 2009 war er Mitglied der Akademie der Künste, von 2015 bis 2018 Direktor der Sektion Film- und Medienkunst. Er war ein Künstler von großer Produktivität: Als Regisseur und Autor realisierte er in 50 Jahren über 150 Dokumentar- und Spielfilme, war Maler, schrieb Gedichte, veröffentlichte Bücher, lehrte als Dozent für Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Zuletzt arbeitete er zunehmend am Theater. Seine Arbeiten waren von Anfang an eng mit dem politischen Engagement in der Schwulen- und Lesbenbewegung verbunden. Als Mitbegründer und Aktivist setzte er sich für die Abschaffung des Paragrafen 175, die Emanzipation der Homosexuellen und für Safer Sex in der AIDS-Pandemie ein. Mit Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971) wurde er zur Ikone der Bewegung. In seinen zahlreichen Porträtfilmen interessierte er sich für Prominente wie Rex Gildo, Werner Schroeter, Charlotte von Mahlsdorf, Evelyn Künneke, Goethe und Hitler genauso wie für Nicht-Prominente. Seine Provokationen waren nie Selbstzweck, sondern forderten zur Diskussion auf. Mehrere seiner Filme wurden von öffentlich-rechtlichen Sendern boykottiert. Rosa von Praunheim wurde international hochgeschätzt und vielfach geehrt. In seinem letzten Film Die satanische Sau setzte er sich provokativ mit dem Thema Tod und Sex auseinander.
Elfi Mikesch, Mitglied der Akademie der Künste, würdigt Rosa von Praunheim:
„Bis zum letzten Tag hast Du uns gezeigt, was Kreativität vermag, was Großzügigkeit und Überraschung bewirken können. Deine radikale Poesie, das Leben zu lieben, zu inspirieren, mit allen Sinnen die Wahrheit zu sprechen. Zu handeln. Als Künstler und Filmschaffender, als engagierter mutiger Mensch. Vor wenigen Tagen noch die Hochzeit Rosa und Olli. Ein Höhepunkt – ein strahlender Tag unvergesslich, wie auch Du. Was Du uns durch Dein Werk geschenkt hast, durch Deinen Humor, das lebt weiter als ROSAS GARTEN. Dort begrüßt uns eines Deiner unzähligen Gedichte als Botschaft für das Jahr 2026 – DENN DU SELBST BIST EIN GEDICHT.
ANFANG / Ich weiß nicht, woher ich komme / wann ich fliegen lerne / und ob ich je meinen Fuß / leise auf eine Wolke setzen kann / ohne abzustürzen“
Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.
Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste