Akademie der Künste trauert um Dieter Sturm (1936–2026)

Datum und Uhrzeit:9.7.2026, 11 UhrSektion:Presse

Der Dramaturg Dieter Sturm, geboren am 24. Mai 1936 in Frankfurt am Main, ist am 2. Juli 2026 in Berlin gestorben. Er war seit 1994 Mitglied der Akademie der Künste. Als Mitbegründer und langjähriger Leitender Dramaturg war er einer der wichtigsten programmatischen Denker der Schaubühne Berlin.

Dieter Sturm studierte Germanistik, Ethnologie und Alte Geschichte zunächst in Erlangen, wo er das europäische Studententheater-Festival mit initiierte, auf dem unter anderen Claus Peymann und Vaclav Havel gastierten. 1959 wechselte er an die Freie Universität Berlin. 1962 gründeten Dieter Sturm, Leni Langenscheidt, Waltraud Mau, Jürgen Schitthelm und Klaus Weiffenbach die Schaubühne am Halleschen Ufer. Zur Eröffnung inszenierte Konrad Swinarski, den Dieter Sturm aus Polen ans Hallesche Ufer geholt hatte, das eine kleine Fluchtburg auch für Schauspieler des Berliner Ensembles wurde, die ihren Wohnsitz in Westberlin nicht aufgeben wollten. Mit Peter Stein als Künstlerischem Leiter seit 1971 wurde Dieter Sturm ein Miterfinder dieses Theaters, das sich auf einzigartig künstlerische Weise ins Verhältnis zur Zeit und deren gesellschaftspolitischen Reflexen in der geteilten Stadt zu setzen wusste, und das schon bald internationale Reichweite erlangte. Neben Steins Inszenierungen begleitete Dieter Sturm Arbeiten von Klaus Michael Grüber und von Luc Bondy, blieb dem Haus während dessen Künstlerischer Leitung sowie den in dieser Position nachfolgenden Jürgen Gosch und Andrea Breth bis 1995 verbunden. Ab 1996 arbeitete er mit Thomas Langhoff am Deutschen Theater, seit 2001 als freier Dramaturg. Dieter Sturm wurde 1993 mit dem Kortner-Preis ausgezeichnet.

Akademie-Mitglied Klaus Völker würdigt Dieter Sturm: „Er entwickelte die tollsten Gedanken und Thesen dozierend, begeisterte die Schauspieler. Zugleich fürchtete er immer, etwas unzutreffend formuliert, nicht genügend reflektiert oder zu pauschal geurteilt zu haben. Er hat ein großartiges Buch über Vergil geschrieben. Ich habe es lesen dürfen, aber er hielt es für unfertig. Hoffentlich findet es sich in seinem Nachlass. Vom Theater forderte Dieter Sturm Unerwartetes, Rufe ins Offene, Traumspiele. Sein klares Motto die Erkenntnis: ‚Seht ihr nun, dass das Leben ein Schlaf ist und das Alter sein Erwachen?‘“

Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.

Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste