Akademie der Künste trauert um Arnulf Rainer (1929–2025)

Datum und Uhrzeit:7.1.2026, 10:30 UhrSektion:Presse

Der bildende Künstler Arnulf Rainer, geboren 1929 in Baden bei Wien und seit 1981 Mitglied der Akademie der Künste, ist am 18. Dezember 2025 verstorben. Der Maler und Aktionskünstler lebte in Wien, Oberösterreich und auf Teneriffa. Im Jahr 2009 wurde das nach ihm benannte Arnulf-Rainer-Museum im österreichischen Baden geöffnet.

Arnulf Rainer, der überwiegend Autodidakt war, orientierte sich in den 1950er-Jahren an der Kunst des Informel und des Surrealismus. Künstlerkollegen wie Sam Francis, Georges Mathieu, Victor Vasarely und Emilio Vedova stellten ihm damals Werke zur Übermalung zur Verfügung. Nach internationaler Vernetzung, u. a. auch mit André Breton in Paris und Ausstellungen in der Zimmergalerie in Frankfurt am Main, lernte er Otto Mauer kennen, unter dessen Leitung er 1954 gemeinsam mit den Künstlerkollegen aus der „Hundsgruppe“ Wolfgang Hollegha, Josef Mikl, Markus Prachensky in Wien die Malergruppe „Galerie St. Stephan“ gründete. Rainer arbeitete ab 1963 in West-Berlin, München und Köln, erhielt 1966 gemeinsam mit Gotthard Muhr den österreichischen Staatspreis und kehrte 1967 nach Wien zurück. Ab Mitte der 1970er-Jahre widmete sich Rainer zunehmend der gestischen Malerei unter Einsatz seiner Füße und Finger, thematisch rückte „Kunst über Kunst“ ins Zentrum. 1982 schuf er den Hiroshima-Zyklus, eine 57-teilige Serie aus Zeichnungen und Fotografien über die zerstörte Stadt, die durch zahlreiche europäische Städte tourte. Übermalungen von Fotografien sollten auch sein Spätwerk beherrschen, bis er eigene fotografische Werke schuf.

Von 1981 bis 1995 lehrte er als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Bei einem Einbruch in sein Wiener Akademieatelier 1995 wurden zahlreiche seiner Werke stark beschädigt und übermalt, daraufhin legte er seine Professur nieder und widmete sich fortan nur noch der eigenen Kunstproduktion. Arnulf Rainers Werke befinden sich in Sammlungen weltweit und wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, u. a. auf der documenta 2 (1959), 5 (1972), 6 (1977) und 7 (1982), La Biennale di Venezia (1972, 1978, 1980), auf der Tokyo Biennale (1967), der Bienal de São Paulo (1971), im Centre Georges Pompidou in Paris (1984), in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (1985) und im Solomon R. Guggenheim Museum in New York (1989).

Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.

Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste