Akademie der Künste trauert um Alexander Kluge (1932–2026)

Datum und Uhrzeit:27.3.2026, 10 UhrSektion:Presse

Am 25. März 2026 ist der Schriftsteller Alexander Kluge im Alter von 94 Jahren in München gestorben. Er war seit 1972 Mitglied der Akademie der Künste in der Sektion Literatur.

Der am 14. Februar 1932 in Halberstadt als Kind eines Landarztes geborene Alexander Kluge studierte Rechtswissenschaft, Geschichte und Kirchenmusik in Marburg und arbeitete nach Abschluss seines Referendariats zunächst als Anwalt. Anfang der 1960er-Jahre begann er nach einem Volontariat bei Fritz Lang als Filmregisseur und Produzent zu arbeiten. Parallel entstand sein erzählerisches und essayistisches Werk. Schon bald avancierte Kluge zu einem der profiliertesten deutschen Intellektuellen und Schriftsteller und wurde einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films. Er war als Dozent an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und an der Universität Frankfurt am Main tätig, wo er 2012 auch die Poetikdozentur innehatte. Nach dem Start des Privatfernsehens in Deutschland gründete Kluge 1987 die Produktionsfirma dctp mit und versorgte private Sender mit wissenschaftlichen und kulturellen Beiträgen. 

Zu seinem literarischen Hauptwerk gehören: Lebensläufe (1962), Schlachtbeschreibung (1964), Chronik der Gefühle (2000) und Kongs große Stunde. Chronik des Zusammenhangs (2015). Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 1968 den Goldenen Löwen von San Marco und gleich mehrfach den Adolf-Grimme-Preis. Für sein literarisches Schaffen bekam er den Fontane-Preis (Großer Kunstpreis) (1979), den Kleist-Preis (1985), den Bremer Literaturpreis (2001) sowie den renommierten Georg-Büchner-Preis (2003).

Alexander Kluge war auch dem Archiv der Akademie der Künste eng verbunden, dem er zu Lebzeiten seine schriftlichen und filmischen Unterlagen anvertraute. 

Kathrin Röggla, Mitglied und von 2015–2024 Vizepräsidentin der Akademie der Künste, erinnert sich: „Kluge wusste wie kaum ein anderer Schriftsteller seiner Generation, dass man nie alleine schreibt. Er war ein passionierter Gesprächspartner, am Telefon und vor der Kamera, mit erstaunlicher Konzentrations- und Vorstellungskraft, der nie in seiner eigenen Zeit verloren ging. Er sah seinen Ort, wie er einmal sagte, in der Bettritze zwischen Walter Benjamin und Theodor W. Adorno, was typisch für ihn war. Der Hang zum Großen verband sich mit dem zur Komik und der Liebe für das Detail. Wir verlieren in ihm einen inspirierenden und zugeneigten Kollegen, der uns zeigen konnte, wie breit schriftstellerische Arbeit wirksam sein konnte und wie vielfältig unser Aufgabengebiet.“

Die Akademie trauert um ihr Mitglied.

Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste