10 Jahre Brexit: Chancen für eine Neugestaltung der europäischen Vision
Resümee der Konferenz der Europäischen Allianz der Akademien „Brexit at Ten: Hopes for the Arts and Humanities?“ in Oxford

Datum und Uhrzeit:3.11.2026, 14 UhrEuropäische Allianz der Akademien

Zehn Jahre nach dem Referendum über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union hat die Europäische Allianz der Akademien am 28. und 29. Oktober Gäste aus Kunst, Politik und den Geisteswissenschaften nach Oxford eingeladen, um gemeinsam die Auswirkungen des Brexits zu reflektieren. Das Netzwerk aus rund 70 europäischen Kunstakademien und Kulturinstitutionen setzt sich seit 2020 für die Freiheit der Kunst in Europa ein.

Manos Tsangaris, Präsident der Europäischen Allianz der Akademien sowie der Akademie der Künste, erklärte: „Visaregeln, Bürokratie, abgesagte Auftritte und Tourneen, sowie Kürzungen haben zu großen Herausforderungen und Verlusten geführt. Auch wenn eine Rückkehr zum Status quo vor dem Brexit keine Option sein wird, bietet die Zukunft eine große Chance, die europäische Vision neu zu gestalten – mit mehr Wertschätzung und Förderung der Kultur und nicht nur der Wirtschaft und Migration wegen, die vor zehn Jahren für das Brexit-Votum instrumentalisiert wurden.“

Thangam Debbonaire, Labour-Mitglied im britischen Oberhaus und Geschäftsführerin der UK Opera Association, brachte in ihrer Keynote die Hoffnung auf eine Zukunft zum Ausdruck, „in der die Künste und Geisteswissenschaften dabei helfen werden, die Bedeutung und die Vorteile der Migration, aber auch ihre Komplexität zu verstehen.“

Schriftstellerin, Übersetzerin und Akademie-Mitglied Esther Kinsky plädierte für eine utopische Vision von Europa, bei der es nicht nur um das „Schauen“, sondern vielmehr um das „Sehen“ geht: ein Blick, der nicht durch Absichten und Erwartungen bestimmt ist und sich auf die Welt im weitesten Sinne einlässt, beschrieb die Gewinnerin des Deutsch-Österreichischen Lyrikpreis als Strategie des Widerstands gegen den heutigen „Druck messbarer Effizienz“.

In den drei begleitenden Podiumsdiskussionen wurden persönliche Erfahrungen von britischen Kunst- und Kulturschaffenden geteilt, die durch den Brexit in ihrer künstlerischen Produktion eingeschränkt wurden. Künstlerische Kooperationen, diversifizierte Finanzierungsstrategien und die Solidarität europäischer Institutionen und Kulturschaffender wurden als wichtige Resilienz-Strategien diskutiert. 

Das Diskussionsformat „Café Climate – Café Channel“ lud Studierende und Interessierte ein, sich mit Wissenschaftlerin Katherine Collins, Kuratorin Susanne Clausen und Künstlerin Jovana Popić an drei runden Tischen zum Verhältnis von Brexit und Klimakrise auszutauschen. 

Eine Veranstaltung der Europäischen Allianz der Akademien, organisiert von Círculo de Bellas Artes de Madríd, Akademie der Künste und Royal Academy of Arts. Kofinanziert von der Europäischen Union.

Seit 2020 setzt sich die Europäische Allianz der Akademien für die Freiheit der Kunst in Europa ein und solidarisiert sich mit Kunstschaffenden, die unter politischen Einschränkungen ihrer künstlerischen Freiheit leiden. Initiiert von der ehemaligen Akademie-Präsidentin Jeanine Meerapfel hat das Bündnis immer wieder auf Verstöße gegen die Freiheit der Kunst und die Autonomie von Kunst- und Kulturinstitutionen aufmerksam gemacht und Betroffene vor Ort unterstützt.

Weitere Informationen: https://allianceofacademies.eu/

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