Open Call: ENERGY GHOSTS
Mensch Maschine VISIT-Residenzprogramm 2027
Das Mensch Maschine VISIT-Programm begrüßt Vorschläge aus einem breiten Spektrum künstlerischer Disziplinen, darunter bildende Kunst, Performance, Film, Installation, Klang, Schreiben und Neue Medien. Künstler*innen können sich über das Bewerbungsportal bewerben. Bewerbungsschluss ist der 1. Dezember 2026 um 23:59 Uhr.

Von den metabolischen Austauschprozessen in Ökosystemen bis hin zu den Infrastrukturen, die digitale Technologien mit Energie versorgen, ist Energie niemals neutral oder losgelöst. Sie ist materiell, politisch und ökologisch – verflochten mit den Geistern von Ausbeutung, Arbeit, Kolonialismus, Mythos und Magie.
Heute wird unser Verhältnis zur Energie zunehmend durch die beschleunigte technologische Entwicklung, künstliche Intelligenz, rohstoffforientierte Wirtschaftssysteme und die Anforderungen des Hyperkapitalismus geprägt. Mensch Maschine lädt zur Einreichung von Vorschlägen ein, die sich kritisch mit diesen Bedingungen auseinandersetzen und zugleich Energie jenseits ihrer Reduktion auf eine technische Ressource oder ein wirtschaftliches Gut denken. Der Open Call ermutigt Künstler*innen, Energie sowohl als eindringliche Präsenz als auch als relationale Kraft zu verstehen – als eine Kraft, die menschliche, mehr-als-menschliche und technologische Welten miteinander verbindet.
Das Mensch Maschine VISIT-Programm begrüßt Vorschläge aus einem breiten Spektrum künstlerischer Disziplinen, darunter bildende Kunst, Performance, Film, Installation, Klang, Schreiben und Neue Medien. Besonders willkommen sind Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Energie und Ökologie, die die Idee der ENERGY GHOSTS aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen. Sie könnten auf Mythologie, Kosmologie oder spekulative Fiktion zurückgreifen, um die unsichtbaren Dimensionen von Energie zu betrachten, oder die unsichtbaren Infrastrukturen, Geschichten und Rückstände untersuchen, die das gegenwärtige Leben weiterhin heimsuchen. Ebenso interessieren uns Vorschläge, die Energie als ökologische, politische oder spirituelle Kraft thematisieren und ihre Fähigkeit sichtbar machen, Körper, Landschaften und kollektive Vorstellungswelten zu prägen.
Künstler*innen können sich über das Bewerbungsportal bewerben. Bewerbungsschluss ist der 1. Dezember 2026 um 23:59 Uhr.
Über das Residenzprogramm
Das Residenzprogramm Mensch Maschine VISIT ist ein jährlich stattfindendes Fellowship-Programm, das in Zusammenarbeit mit dem E-WERK Luckenwalde (DE), der JUNGEN AKADEMIE – Akademie der Künste (DE), dem Zentrum für Zeitgenössische Kunst im Schloss Ujazdowski (PL) sowie VISIT – dem Artist-in-Residence-Programm der E.ON Foundation – vier vollständig finanzierte Fellowships an Künstler*innen aus aller Welt vergibt. Das Programm unterstützt Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Energie und Ökologie. Als Reaktion auf die Klimakrise und den zunehmenden autoritären Regierungsstil setzt sich das Mensch Maschine-Programm kritisch mit dem Begriff der „Human Machine“ („Mensch-Maschine“) auseinander und hinterfragt westliche Paradigmen sowie die vorherrschenden Narrative von „Fortschritt“ und „Innovation“. Das Programm möchte pluriversale Ansätze im Umgang mit digitalen Technologien fördern und zukünftige Systeme sowie Formen gesellschaftlicher Erneuerung entwerfen, in denen Maschinen und der Planet symbiotisch miteinander verbunden sind.
Förderung
Die ausgewählten Bewerber*innen erhalten eine Förderung in Höhe von 20.000 Euro. Diese Förderung ist für Künstler*innenhonorare und Produktionskosten eines neuen Projekts vorgesehen. Dazu können Kosten für Recherche und Entwicklung, Reisen, Materialien sowie die Präsentation des Projekts gehören.
Atelier und Unterkunft
Drei Künstler*innen erhalten einen Atelierplatz und eine Unterkunft im E-WERK Luckenwalde. Ein*e Künstler*in wird von der Akademie der Künste in Berlin untergebracht. Die Residenz findet von Mitte August bis Mitte November 2027 statt. Während dieser drei Monate wird von den Fellows erwartet, dass sie mindestens 75% der Zeit vor Ort leben und arbeiten sowie am künstlerischen Programm teilnehmen.
Künstlerisches Programm
Während der Residenz finden Veranstaltungen im E-WERK Luckenwalde, in der Akademie der Künste und im Zentrum für Zeitgenössische Kunst im Schloss Ujazdowski (CCA) statt. Den Abschluss der Residenz bildet ein Symposium im Oktober 2027. Dort erhalten die Fellows die Gelegenheit, gemeinsam mit dem Jahrgang 2026 ihre Arbeiten im Entwicklungsprozess zu zeigen.
Zeitplan
Mitte August bis Mitte November 2027: Residenz im E-WERK Luckenwalde oder in der Akademie der Künste, Berlin
August 2027: Retreat-Programm im Ujazdowski Castle Centre for Contemporary Art, Warschau
Oktober 2027: Symposium in der Akademie der Künste
Wichtige Termine
Dezember 2026: Bewerbungsschluss
Januar 2027: Jurysitzung
Ende Januar 2027: Benachrichtigung der Bewerber*innen
Die Jury für die Fellowships
Nolan Oswald Dennis, Künstler und Forscher
Chus Martinez, Leiterin des Institute Art Gender Nature und Associate Curator bei TBA21
Sarah Johanna Theurer, Kuratorin für Zeitgenössische Kunst in der Fondation Beyeler
Anh-Linh Ngo, Vizepräsident der Akademie der Künste, Architekturtheoretiker und Kurator
Tiara Roxanne, in Berlin tätige*r Wissenschaftler*in und Künstler*in
Über die Partner
E-WERK Luckenwalde
Das E-WERK Luckenwalde ist ein gemeinnütziges, regeneratives Kraftwerk, ein Zentrum für Zeitgenössische Kunst und ein Forschungslabor für Kunststrom. Es wurde gegründet, um alternative ökonomische und ökologische Modelle für den Kultursektor zu entwickeln. Das E-WERK befindet sich in Luckenwalde in Brandenburg, 40 Minuten südlich von Berlin, in einem ehemaligen Kohlekraftwerk aus dem Jahr 1913. Dieses wurde von dem Künstler Pablo Wendel als regeneratives Kraftwerk reaktiviert. Durch einen Solar- und Holzgas-Pyrolyseprozess werden 100% des Kunststroms sowie die Wärme und Elektrizität erzeugt, die für das Programm für zeitgenössische Kunst und das öffentliche Stromnetz bestimmt sind. Damit ist das E-WERK das weltweit erste Zentrum für Zeitgenössische Kunst, das seinen eigenen Strom erzeugt. Als gemeinnützige Institution reinvestiert das E-WERK sämtliche Einnahmen aus der Energieproduktion in sein Programm für zeitgenössische Kunst und Kultur. Das von der Kuratorin Helen Turner geleitete Programm umfasst ein vielfältiges Spektrum an Ausstellungsformaten und Projekten: von neuen Architekturaufträgen, internationalen Residenzprogrammen, Galerieausstellungen und Bildungsworkshops bis hin zu Musik- und Performance-Festivals sowie interdisziplinären Forschungsprojekten. Seit 2022 ist das E-WERK Partner des Mensch Maschine VISIT-Residenzprogramms und stellt den Fellows Atelier- und Unterkunftsmöglichkeiten, Mentoring sowie kuratorische Begleitung zur Verfügung.
JUNGE AKADEMIE, Akademie der Künste
Die JUNGE AKADEMIE unterstützt internationale Künstler*innen aus allen künstlerischen Disziplinen, die an der Akademie der Künste vertreten sind. Dies geschieht im Rahmen eines interdisziplinären Residenzprogramms durch Residenzen und Arbeitsstipendien. Die dreimonatigen Atelieraufenthalte bieten den Fellows Zeit, Raum und Ressourcen, um sich in einer neuen Umgebung auf ihre künstlerische Praxis zu konzentrieren. Auf diese Weise schafft die JUNGE AKADEMIE einen offenen Raum für künstlerische Forschung sowie für die Produktion von Kunst und Wissen. Dieser Raum wird von jedem Jahrgang gemeinsam mit Mentor*innen und Mitgliedern der Akademie aktiv gestaltet. Eine zentrale Aufgabe des Programms besteht darin, dieses freie und geschützte Umfeld für künstlerischen Ausdruck und Austausch zu bewahren. Zugleich sollen Experimente und Begegnungen über politische und kulturelle Grenzen hinweg gefördert werden. Seit 2019 beschäftigt sich die JUNGE AKADEMIE im Rahmen des Mensch-Maschine-Residenzprogramms mit Fragen des Lebens und der Kunst im Verhältnis zu „intelligenten“ Maschinen. Von 2022 bis 2023 organisierte die JUNGE AKADEMIE das Programm AI Anarchies zu Fragen der KI-Ethik. Es umfasste ein Fellowship-Programm mit Residenzen am ZK/U – Center for Art and Urbanistics in Berlin in den Jahren 2022 und 2023, eine transdisziplinäre Autumn Academy sowie die Ausstellung Broken Machines & Wild Imaginings an der Akademie der Künste im Jahr 2023. In der Ausstellung wurden auch alle bisherigen Empfänger*innen des Mensch Maschine Fellowships seit 2019 vorgestellt.
Zentrum für Zeitgenössische Kunst im Schloss Ujazdowski
Im Jahr 2026 begrüßte das Mensch Maschine-Programm das Zentrum für Zeitgenössische Kunst im Schloss Ujazdowski (CCA) als neuen Projektpartner. Ziel war es, die öffentliche Debatte in Europa zu erweitern und polnische kulturelle sowie regionale Perspektiven mit neuen Netzwerken von Künstler*innen und Denker*innen zu verbinden. Seit 2002 führt das CCA ein international anerkanntes Artist-in-Residence-Programm durch. Darüber hinaus veranstaltet es Ausstellungen und Diskursformate im Bereich zeitgenössischer und transdisziplinärer Kunst. Das Residenzprogramm dient als Raum, um angesichts gegenwärtiger Krisen über Zusammenleben, Zusammenarbeit und das Verhältnis zwischen Menschen sowie der nichtmenschlichen und posthumanen Welt nachzudenken.
E.ON Foundation
Die E.ON Foundation setzt sich dafür ein, gesellschaftliche Transformation nachhaltig, gerecht und mit einer europäischen Perspektive zu gestalten. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Umgestaltung von Energiesystemen – nicht nur aus technischer Sicht, sondern auch unter gesellschaftlichen, ökologischen und europäischen Gesichtspunkten. Im Jahr 2010 rief die Stiftung ihr internationales Artist-in-Residence-Programm VISIT ins Leben. Es fördert künstlerische Projekte an der Schnittstelle von Energie und gesellschaftlicher Erneuerung. Mit dem Mensch Maschine VISIT-Residenzprogramm unterstützt die Stiftung weiterhin Künstler*innen dabei, interdisziplinäre Perspektiven auf ökologische, gesellschaftliche und energetische Transformationsprozesse zu entwickeln.
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