Neue Mitglieder der Akademie der Künste
Die Akademie der Künste hat 18 neue Mitglieder aufgenommen. Die Wahlen fanden auf der 66. Mitgliederversammlung (29.–31. Mai 2026) in Berlin statt. Alle neu hinzugewählten Mitglieder haben mittlerweile ihre Wahl angenommen. Somit zählt die Akademie der Künste aktuell 409 Mitglieder in ihren sechs Kunst-Sektionen.
Aufgenommen wurden: Sektion Bildende Kunst: Thea Djordjadze, Alfredo Jaar, Annette Kelm, Sandra Vásquez de la Horra, Clemens von Wedemeyer; Sektion Baukunst: Elisabeth Endres; Sektion Musik: Unsuk Chin, Clara Maïda, Sergej Newski, Clemens von Reusner, Hannes Seidl; Sektion Literatur: Birgit Kempker, Elke Schmitter, Marlene Steeruwitz, Deniz Utlu; Sektion Darstellende Kunst: Kathleen Morgeneyer, Carena Schlewitt, Christian Spuck. Die Sektion Film- und Medienkunst nimmt in diesem Jahr keine neuen Mitglieder auf.
Kurzbiografien der neuen Mitglieder in alphabetischer Reihenfolge:
Unsuk Chin, Komponistin
1961 in Seoul geboren, lebt seit 1988 in Berlin. Sie studierte Komposition in Seoul bei Sukhi Kang und in Hamburg bei György Ligeti. Werke (Auswahl): Akrostichon-Wortspiel (1991–1993), Piano Concerto (1996/97), Xi (1998), Double Concerto (2002), Alice in Wonderland (2004–2007), Gougalon (2009/11), Šu (2009), Le Silence des Sirènes (2014), SPIRA (2019), Die dunkle Seite des Mondes (2024–2025). Preise: Grawemeyer Award (2004), Léonie Sonning Music Prize (2021), Ernst von Siemens Musikpreis (2024), BBVA Award (2026). Porträt-CDs bei KAIROS, Deutsche Grammophon, Berliner Philharmoniker Recordings und Alpha Classics. Exklusiv verlegt bei Boosey & Hawkes. Seit 2022 künstlerische Leiterin des Tongyeong International Music Festival (Südkorea) und des Weiwuying International Music Festival (Taiwan).
Thea Djordjadze, Bildende Künstlerin
1971 in Tiflis, Georgien, geboren, lebt in Berlin. Sie studierte an der Kunstakademie Tiflis, an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und an der Kunstakademie Düsseldorf. Djordjadze schafft Skulpturen und Installationen von einzigartiger, eigenwilliger Poesie, durchdrungen von kunsthistorischen Bezügen. Der fragile und prozessorientierte Charakter ihrer Arbeitsweise löst die Vorstellung des Kunstwerks als statisches Gebilde auf und eröffnet den Betrachtenden eine räumliche, physische und psychologische Erfahrung. Sie stellt international in zahlreichen Museen aus und beteiligte sich u. a. an der 5. Berlin Biennale (2008), dOCUMENTA (13) (2012), 55. und 56. Venedig Biennale (2013, 2015). Thea Djordjadze wurde mit dem Rompreis der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2026/27 ausgezeichnet.
Elisabeth Endres, Architektin
1981 in Prüm geboren, lebt in München und Berlin. Studium an den TU Kaiserslautern und TU München. Bis 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TUM. Seit 2013 im Ingenieurbüro Hausladen, wo sie die ganzheitliche Konzeption von Projekten an der Schnittstelle von Architektur und technischen Systemen verantwortet, seit 2018 als Mitglied der Geschäftsleitung. 2019 Ruf auf die Professur für Gebäudetechnologie an der TU Braunschweig und Leiterin des Instituts für Bauklimatik und Energie der Architektur. 2025 war sie eine der vier Kurator*innen des deutschen Beitrags Stresstest der 19. Architekturbiennale Venedig. Seit 2024 u. a. Mitglied im Kuratorium der IBA’27 Stuttgart, Beiratsvorsitzende der Bundesstiftung Bauakademie. 2021 erhielt sie den Kulturpreis der Ingrid zu Solms-Stiftung, 2025 den ULI Germany Leadership Award.
Sandra Vásquez de la Horra, Bildende Künstlerin
1967 in Viña Del Mar, Chile, geboren, lebt in Berlin. Sie studierte in Viña Del Mar visuelle Kommunikation, dann freie Kunst an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Jannis Kounellis und Rosemarie Trockel und an der Kunsthochschule für Medien Köln. Die Käthe-Kollwitz-Preisträgerin (2023) thematisiert in ihren groß- und kleinformatigen Zeichnungen Konflikte, die unsere gegenwärtige Gesellschaft weltweit beschäftigen: Fragen zu Geschlechterordnung und Sexualität, interkulturelle Reflexionen und spirituelle Praktiken verbinden sich mit Archetypen unseres kollektiven Bewusstseins und gesellschaftlichen Tabus. Sie war 2022 Teilnehmerin der 59. Biennale di Venezia und stellte 2025 im Haus der Kunst in München aus.
Alfredo Jaar, Künstler, Architekt, Filmemacher
Lebt und arbeitet in Lissabon. In seinen Werken thematisiert er global relevante soziopolitische, ökologische und politische Fragen und erforscht die Grenzen und die Ethik der Repräsentation. Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt. Er nahm an der Biennale von Venedig (1986, 2007, 2009, 2013, 2026), der Biennale von São Paulo (1987, 1989, 2010, 2021), der Biennale von Gwangju (1995, 2000, 2020) und der Documenta in Kassel (1987, 2002) teil. Er realisierte über 75 öffentliche Interventionen weltweit. Mehr als 80 Monografien wurden über sein Werk veröffentlicht. Seine Arbeiten sind in den meisten bedeutenden Museumssammlungen weltweit vertreten. Im Jahr 2018 erhielt er den Hiroshima Art Prize und 2020 den Hasselblad-Preis. 2025 wurde ihm der Prix Pictet verliehen.
Annette Kelm, Fotografin
1975 in Stuttgart geboren, lebt in Berlin. Sie studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Ihre Fotografien dokumentieren moderne Alltagskultur und die soziokulturelle Geschichte der materiellen Welt. Annette Kelms Inszenierungen überführen Objekte in neue Konstellationen und reflektieren dabei die Konstruiertheit von Bildern sowie deren Produktionsumstände. Dabei verbindet sie kunsthistorische mit gesellschaftlichen Fragestellungen. Annette Kelms Werk wurde international in Museen und auf Biennalen gezeigt und zahlreich ausgezeichnet, u. a. mit dem Camera Austria-Preis (2015) und dem Publikumspreis im Rahmen des Preises der Nationalgalerie für junge Kunst (2009). Am 15. September erhält sie den Pauli-Preis 2026.
Birgit Kempker, poet
1956 in Wuppertal geboren, wohnt in Basel. Sie forscht in den Bereichen Wort, Bild, Sound, Raum, Idee, Konzept, Song, Sound, Hörspiel, Radio, Fantasy. Zu ihren jüngsten Arbeiten gehören: Holidays from Suicide. Eine phantastische Reise mit Iggy Pop, Hörspiel (2020), Geist der Peinlichkeit (2022), Konzertperformance Ausweg mit Anatol Atonal im Rahmen von „Bang Bang“, Museum Tinguely, Basel (2022), Meet Thy Spirits, multimediales E-Book (2022), Das deutsche Haus (2024), Gegenüber Hühnern (2024), Sweet Delight (2025), Ondanons/Personals (2026).
Clara Maïda, Komponistin
1963 geboren, lebt in Paris und Berlin. Sie studierte Musik und Psychologie und erhielt einen PhD by publication in Komposition an der University of Huddersfield. 2007/08 war sie für ein Jahr Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Sie erhielt verschiedene internationale Kompositionspreise, Auszeichnungen und Stipendien. Ihre Werke werden von wichtigen Musikensembles, Festivals und Musikinstitutionen beauftragt und weltweit aufgeführt. Sie war Composer-in-Residence in mehreren elektronischen Studios in Frankreich und Deutschland. Sie komponiert Instrumentalwerke, gemischte und elektroakustische Musik und realisiert audiovisuelle Installationen.
Kathleen Morgeneyer, Schauspielerin
1977 in Erlabrunn/Erzgebirge geboren, studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, spielte danach ab 2006 am Düsseldorfer Schauspielhaus bei u. a. Karin Henkel, Oliver Reese, Jürgen Gosch; als Nina in dessen Möwe 2008 zu Gast am Deutschen Theater Berlin erhielt sie auf dem Theatertreffen 2009 den Alfred-Kerr-Preis. Weitere Auszeichnungen u. a. 2009 als Nachwuchsschauspielerin des Jahres in der Kritikerumfrage von Theater heute, 2017 Ulrich-Wildgruber-Preis. Engagiert am Schauspiel Frankfurt (2009–2011) und Deutschen Theater Berlin (2011–2023), spielte sie u. a. bei Stephan Kimmig, Daniela Löffner, Ulrich Rasche, Jette Steckel, Michael Thalheimer, 2021 /22 auf den Salzburger Festspielen als Glaube in Jedermann. Filme mit u. a. Jan-Ole Gerster, Sonja Heiss, Maria Speth. Seit 2023/24 Engagement am Berliner Ensemble, wo sie u. a. mit Dušan David Pařizek, Johan Simons und Frank Castorf arbeitet.
Sergej Newski, Komponist
1972 in Moskau geboren, lebt in Berlin und Graz. Studium der Komposition bei Jörg Herchet (Dresden) und Friedrich Goldmann (UdK Berlin). Kompositionsaufträge u. a. von der Staatsoper Stuttgart, der Staatsoper Unter den Linden, der Ruhrtriennale, dem SWR Symphonieorchester, dem Klangforum Wien und der MaerzMusik. Seine Oper Franziskus wurde 2012 am Bolschoi Theater in Moskau uraufgeführt, Secondhand-Zeit nach Swetlana Alexijewitsch 2020 an der Staatsoper Stuttgart. Ausgezeichnet u. a. mit dem Kunstpreis Berlin (2014). Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste Dresden, ab Oktober 2026 Professor für Komposition an der Kunstuniversität Graz. Seine Werke erscheinen bei Ricordi Berlin.
Clemens von Reusner, Komponist
1957 in Langenhagen bei Hannover geboren, lebt im niedersächsischen Wendland. Im Mittelpunkt seiner elektroakustischen Kompositionen steht die Arbeit am Klang selbst und dessen inneren Strukturen. Dabei geht es ihm vor allem um die Anordnung und Bewegung von Klängen in den vielfältigen akustischen Räumen mehrkanaliger Lautsprecherkonfigurationen. In seiner Klangsprache bezieht er sich immer wieder auch auf zeitgenössische und historische Werke aus Musik, Literatur und bildender Kunst. Werke (Auswahl): Anamorphosis (2018), Ideale Landschaft Nr. 6 (2020), EREMIA (2024), Halcyon Days (2026).
Carena Schlewitt, Dramaturgin, Theaterleiterin
1961 in Leipzig geboren, war Carena Schlewitt nach dem Studium der Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin wissenschaftliche Mitarbeiterin der Akademie der Künste der DDR (1985–1993). Anschließend war sie künstlerische Mitarbeiterin beim Podewil und beim Festival Theater der Welt 1999 in Berlin. Sie wirkte als Dramaturgin und stellvertretende künstlerische Leiterin am Forum Freies Theater Düsseldorf (1999–2003) und HAU Berlin (2003–2008). Carena Schlewitt war von 2008–2018 Direktorin der Kaserne Basel und künstlerische Leiterin des Internationalen Theaterfestivals Basel (seit 2012). 2018 übernahm sie die Intendanz von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste in Dresden. Sie wurde mit dem Verdienstkreuz der Republik Polen in Gold (2006), mit dem Kulturpreis der Stadt Basel (2017) und mit dem Hauptpreis des Künstlerinnenpreises Nordrhein-Westfalen (2019) ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und des Sächsischen Kultursenats.
Elke Schmitter, Schriftstellerin, Journalistin
1961 in Krefeld geboren, lebt seit 1989 in Berlin. Nach dem Studium der Philosophie in München arbeitete sie als Lektorin beim S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main. Seit 1989 war sie bei den Publikationen taz, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel als Redakteurin und Autorin tätig. Seit 1981 sind zwei Gedichtbände, fünf Romane, ein Kinderbuch und diverse Essaybände erschienen; Übersetzungen in zwanzig Sprachen. Auszeichnungen: Niederrheinischer Literaturpreis, Stipendien des Deutschen Literaturfonds. Zuletzt erschienen: Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch (2024).
Hannes Seidl, Komponist
1977 geboren, lebt in Frankfurt am Main. Er studierte Komposition bei Nicolaus A. Huber, Thomas Neuhaus und Beat Furrer. Er komponiert instrumentale und elektronische Konzertmusik und ist auch – oft in Kollaboration mit anderen Künstler*innen – in den Bereichen Musiktheater, Installationen und genreübergreifende Formate tätig. Er arbeitet eng zusammen mit Ensembles wie dem Arditti Quartett, dem Ensemble Mosaik, dem Klangforum Wien oder den Neuen Vocalsolisten. Aufführungen u. a. bei den Donaueschinger Musiktagen, Ultima Oslo, Wien Modern, ECLAT oder Warschauer Herbst. Mit dem Filmemacher und Regisseur Daniel Kötter entstanden die Trilogien Ökonomien des Handelns KREDIT RECHT LIEBE (2013–2016) sowie Stadt Land Fluss (2017–2019).
Christian Spuck, Choreograf, Ballettintendant
1969 in Marburg geboren, tanzte nach der Ausbildung an der John Cranko Schule Stuttgart in Jan Lauwers’ Needcompany und Anne Teresa De Keersmaekers Ensemble Rosas, von 1995–2012 fest beim Stuttgarter Ballett. 1998 dort die erste von 15 Uraufführungen, ab 2001 als Hauschoreograf, neben Gastchoreografien für u. a. Königliches Ballett Flandern, Norwegisches Nationalballett Oslo, Hubbard Street Dance Chicago, Bolschoi Ballett Moskau. Seit 2009 inszeniert er auch Opern, für u. a. Staatsoper Stuttgart, Deutsche Oper Berlin. 2012–2023 Leitung des Balletts Zürich, seit 2023/24 Intendant des Staatsballetts Berlin. Seine Ballette wie u. a. Leonce und Lena, Anna Karenina, Messa da Requiem wurden international ins Repertoire aufgenommen. Auszeichnungen u. a. mit DER FAUST (2011), Prix Benois de la Danse (2019), Wahl zur Kompanie des Jahres durch die Zeitschrift tanz für Ballett Zürich 2019 und Staatsballett Berlin 2023/24 sowie Glanzlicht des Jahres für Ballett Zürich 2022 und Staatsballett Berlin 2024/25 und 2025/26, Deutscher Tanzpreis 2026.
Marlene Streeruwitz, Autorin und Regisseurin
1950 in Baden bei Wien geboren. Lebt derzeit in Wien und London. Studium der Slavistik und Kunstgeschichte. Seit 1986 Autorin und Regisseurin und Veröffentlichung von Hörspielen und Theaterstücken. Seit 1996 Prosa und Poetikvorlesungen. Erste Veröffentlichungen (Auswahl): Verführungen: 3. Folge. Frauenjahre (1996), Lisa's Liebe. Roman in drei Folgen (1997), Nachwelt (1999). Zuletzt: Flammenwand (2019), Tage im Mai (2023), Auflösungen (2025). Mar-a-Lago. Oder. Neuschwanstein, Uraufführung Berliner Ensemble (2018). Zahlreiche Preise (Auswahl): Bremer Literaturpreis (2012), Preis der Literaturhäuser 2020.
Deniz Utlu, Schriftsteller
1983 in Hannover geboren, lebt in Berlin. Er studierte in Berlin und Paris Volkswirtschaftslehre mit philosophischem Schwerpunkt. Er ist Autor von Romanen, Essays und Gedichten sowie literarischer Übersetzer. 2003 gründete er das Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext, das er bis 2014 herausgab. Romane: Die Ungehaltenen (2014), Gegen Morgen (2019) und Vaters Meer (2023). Utlu kuratierte verschiedene Literaturreihen und unterrichtete literarisches Schreiben. Seine Essays wurden national wie international in zahlreichen Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, für seinen Roman Vaters Meer erhielt er den Alfred-Döblin-Preis, den Bayerischen Buchpreis, den Literaturpreis der Literatour Nord sowie den Sonderpreis des Literaturpreises der Europäischen Union. Im Frühling 2026 war er Max Kade Visiting Professor am Dartmouth College, USA.
Clemens von Wedemeyer, Bildender Künstler und Filmemacher
1974 in Göttingen geboren, lebt in Berlin und Leipzig. Er ist Professor für Expanded Cinema an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine Installationen und Filme beschäftigen sich häufig mit Geschichte, Gruppendynamiken und dem kritischen Umgang mit Medien und Technologie. Zu seinen bekannten Werken zählen Muster (2012), komplexe Werkgruppen wie P.O.V. (2016) oder The Illusion of a Crowd (2018–2020). Er beteiligte sich u. a. an der 4. Berlin Biennale (2006), den Skulptur Projekten Münster (2007) und der dOCUMENTA (13) (2012), hat in zahlreichen internationalen Museen wie MoMA PS1, New York, MAXXI Rom, Hamburger Kunsthalle ausgestellt und Filme auf Festivals präsentiert.
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