Zur Zerstörung der Progress-Pride-Flagge am Hanseatenweg
Akademie der Künste warnt vor Verrohung und Angriffen auf die Kunstfreiheit

Datum und Uhrzeit:25.8.2026, 12 UhrNewstyp:News

In der Nacht vom 18. auf den 19. August 2026 wurde die von der Akademie der Künste zum Pride Month an ihrem Standort am Hanseatenweg angebrachte Progress-Flagge mutwillig zerstört. Ein solcher Akt gegen eine Institution, zu deren gesetzlichem Auftrag die Verteidigung der Kunstfreiheit gehört, ist nicht nur als Sachbeschädigung zu werten. Er richtet sich gegen die freiheitlichen Werte, für die die Akademie der Künste steht. Die Akademie der Künste hat den Auftrag, diesen Freiraum zu verteidigen. Gemeinsam mit Mitstreiter*innen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft werden wir im Herbst ein entsprechendes Projekt starten.

Ein Aufsteller, in dessen drei Seiten Flaggen gespannt sind. Die Progress-Pride-Flagge wurde mutwillig zerstört und fasst vollständig aus dem Aufsteller geschnitten.
Die mutwillig zerstörte Progress-Pride-Flagge am Standort Hanseatenweg.
© Akademie der Künste

Dieser Angriff findet in einem Klima statt, in dem Gewalt gegen Menschen, die anders denken, lieben oder aussehen, alltäglich geworden ist. Der islamistisch motivierte Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin ist eine Form dieser Gewalt. Die zerstörte Flagge am Hanseatenweg steht für eine andere, stillere, jedoch nicht minder gewaltsame Ausprägung: die Verrohung der Gesellschaft. Politiker*innen und ihre Teams erleben dies in den laufenden Wahlkämpfen in besonderer Weise. Aber auch Kulturinstitutionen im ganzen Land werden unter Druck gesetzt. Wenn schon Menschen, die diese Gesellschaft politisch und kulturell repräsentieren, bedroht werden, welche Erfahrungen machen dann erst diejenigen, die von Teilen dieser Gesellschaft als fremd markiert werden?

Zuletzt mussten Kinder of Color im Umfeld der Aktion „Volksbad“ der Volksbühne genau das erfahren. Ihnen sollte für einen Nachmittag ein geschützter Raum in einem öffentlichen Bad ermöglicht werden. Über diese künstlerische Setzung lässt sich streiten. Gerade darin liegt die Aufgabe sozial engagierter Kunst: gesellschaftliche Widersprüche öffentlich zu verhandeln.
Inszeniert wurde jedoch ein anderes Stück: Eine CDU-Politikerin stilisierte sich zum Opfer von „Rassismus gegen Weiße“ und löste damit rassistische Anfeindungen aus. Die Aktion musste abgesagt werden.
Reagieren demokratische Parteien auf den Populismus rechtsextremer Parteien, indem sie deren Sprache, Feindbilder und Deutungsmuster übernehmen, verschiebt sich der politische Raum insgesamt. Das populistische Kalkül, das Monster zu füttern, um es zu zähmen, ist noch nie aufgegangen. Stattdessen werden die Grundlagen der Demokratie ausgehöhlt.

In diesem Klima gerät die Kunstfreiheit unter Druck. Das erleben Kunst- und Kulturinstitutionen derzeit unmittelbar. Dadurch schrumpft der Freiraum, in dem demokratische Gesellschaften Differenzen, Widersprüche und unterschiedliche Erfahrungen sichtbar machen und offenhalten können.

Die Akademie der Künste hat den Auftrag, diesen Freiraum zu verteidigen. Gemeinsam mit Mitstreiter*innen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft werden wir im Herbst ein entsprechendes Projekt starten. Eines werden wir sofort tun: Die Akademie der Künste wird die Progress-Flagge wieder anbringen.

Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste

Anh-Linh Ngo
Vizepräsident der Akademie der Künste

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