Akademie der Künste trauert um Péter Nádas (1942–2026)
Am 26. August 2026 ist der Schriftsteller und Fotograf Péter Nádas im Alter von 83 Jahren in Gombosszeg, Ungarn, gestorben. Er gehörte zu den bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellern. Seit 2006 war er Mitglied der Akademie der Künste in der Sektion Literatur.

Der am 14. Oktober 1942 in Budapest geborene und in Ungarn aufgewachsene Péter Nádas stammte aus einer jüdisch-kommunistischen Familie, die den Holocaust mit falschen Papieren überlebt hatte. Zu Beginn der 1960er-Jahre besuchte Nádas nach einer Ausbildung zum Fotografen die Journalistenschule und arbeitete für die Tageszeitung Pest Megyei Hírlap und das Magazin Nők Lapja. 1965 debütierte er mit der Erzählung A biblia, (dt. Die Bibel 2009, übers. von Ruth Futaky) und geriet schnell ins Visier der staatlichen Zensur. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 kündigte er seine Anstellung als Fotoreporter und war von da an als freier Schriftsteller tätig. Sein erster großer Roman Ende eines Familienromans wurde in Ungarn mit einem Publikationsverbot belegt und konnte erst 1977 erscheinen.
In seinem Werk befasste sich Nádas kritisch mit der Historie Ungarns, die er subtil mit der eigenen Familiengeschichte verknüpfte. Mit seinem monumentalen Buch der Erinnerung von 1986 (dt. 1991, übers. von Hildegard Grosche) feierte er in Deutschland seinen Durchbruch. Es folgten weitere epochale Werke wie Parallelgeschichten (2012) und Aufleuchtende Details (2017), beide von Christina Viragh ins Deutsche übersetzt.
Nádas war Mitglied der Académie Européenne des Sciences, des Arts et des Lettres, Paris, und der Akademie Széchenyi der Literatur und Künste, Budapest.
Er wurde mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt, darunter mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (1995) und dem Brücke-Berlin Literatur- und Übersetzerpreis (2012). Zuletzt erhielt er den Orden Pour le Mérite (2026).
Ingo Schulze, Mitglied der Akademie der Künste, erinnert sich: „Péter Nádas war zurückhaltend und entschieden, freundlich und selbstkritisch, ein Beobachter sui generis. Für mich war er die Verkörperung des zeitgenössischen Romanciers, dessen Imaginations- und Assoziationskraft vergleichslos war, aber nie ungebrochen auftrumpfte. Er entwarf Welten und Lebensläufe, die gewaltige Bögen spannten und zugleich in jedem Detail leuchteten. Dass es immer wieder auch Deutschland war, das ihn beschäftigte und dem er in seiner Prosa Transparenz verlieh, bleibt für uns ein besonders großes Glück.“
Sein umfangreiches literarisches Archiv mit Manuskripten, Zeitdokumenten, Korrespondenzen sowie sein Familienarchiv übergab Péter Nádas der Akademie der Künste. Es wurde im Beisein des Schriftstellers 2022 feierlich eröffnet.
Die Akademie trauert um ihr Mitglied.
Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste
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