Akademie der Künste trauert um Wulf Herzogenrath (1944–2026)
Der Kunsthistoriker, Kurator und Kunstvermittler Wulf Herzogenrath ist am 18. Juni 2026 in Berlin verstorben. Er wurde 2006 zum Mitglied der Akademie der Künste gewählt und leitete die Sektion Bildende Kunst als Direktor von 2012 bis 2021.
„Wulf war ein Film- und Videopionier, liebte unterschiedlichste Formate. Für seine leeren Skizzen-Bücher, die er über all die Jahre mit sich führte, bat er Künstlerinnen und Künstler eine Seite zu bearbeiten. Damit hat er ein vielbändiges, umfassendes Kompendium von unterschiedlichsten Originalen zusammengetragen, die nun ein großes Gesamtwerk ergeben“, so Karin Sander, Direktorin der Sektion Bildende Kunst.
Herzogenrath studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde; noch vor seiner Dissertation über die Wandbilder Oskar Schlemmers bearbeitete er 1968 den Katalog der ersten internationalen Ausstellung 50 Jahre Bauhaus, wurde zum ausgewiesenen Bauhaus-Spezialisten und reiste anschließend mit ihr durch die Welt. Nach einer kurzen Anstellung am Museum Folkwang wurde er 1973 mit 28 Jahren Leiter des Kölnischen Kunstvereins. Er war verantwortlich für bahnbrechende Ausstellungen der klassischen Moderne und zeitgenössischer Kunst und entwickelte Formate, die es ihm ermöglichten, auch jüngsten Künstler*innen ein Forum zu bieten. Als Pionier der Videokunst bereitete er in den 1970/80er Jahren den Boden für eine heute weltweit etablierte Kunstgattung. Nam June Paiks erste europäische Einzelausstellung war 1978 der Beginn einer lebenslangen Zusammenarbeit und Freundschaft. Herzogenraths Mitwirkung an der documenta 8 mit Videokunst, die im Kontext traditioneller Kunstformen und nicht als Nischenerscheinung gezeigt wurde, waren kuratorischen Meilensteine. Als Hauptkustos der Nationalgalerie Berlin (1989-1993) erweiterte er die ständige Sammlung durch Ankäufe von Videokunst und erarbeitete das Konzept für den Hamburger Bahnhof. Als Direktor der Kunsthalle Bremen schärfte er ab 1994 mit zahlreichen Ausstellungen und nachhaltiger Museumsarbeit das Profil und die institutionelle Entwicklung des Museums.
Marcel Odenbach, Mitglied der Akademie der Künste: „Wulf hatte eine Vision in der Kunst. Für die hat er gekämpft und gelebt, auch in Zeiten in der es nur Wenige hören wollten. Mittlerweile ist sie unsterblich geworden.“
Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.
Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste
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