Demokratie als Auftrag
Symposium anlässlich des 70. Geburtstags von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Datum und Uhrzeit:9.1.2026, 9 UhrKulturpolitik

Am 7. Januar 2026 fand in der Akademie der Künste ein Symposium anlässlich des 70. Geburtstags von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier statt. Unter dem Titel „Demokratie als Auftrag“ ging es um die Frage, wie Demokratie verteidigt und gestärkt werden kann. Lesen Sie hier das Grußwort von Akademie-Präsident Manos Tsangaris.

Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten, Thomas Paulsen, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, und Akademie-Präsident Manos Tsangaris (v. l. n. r.) beim Symposium „Demokratie als Auftrag“ am 7.1.2026 in der Akademie der Künste
Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten, Thomas Paulsen, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, und Akademie-Präsident Manos Tsangaris (v. l. n. r.) beim Symposium „Demokratie als Auftrag“ am 7.1.2026 in der Akademie der Künste
© David Ausserhofer

Herzlich willkommen in der Akademie der Künste.

Ich begrüße sehr herzlich den Bundespräsidenten
Frank-Walter Steinmeier,
Frau Elke Büdenbender,
Herrn Dr. Thomas Paulsen, Herrn Jens Stoltenberg,
Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung,
des Bundestages, der Bundesinstitutionen und der politischen Parteien, sowie der Botschaften, auch der Künste – ich begrüße gerne Armin Mueller-Stahl –,
verehrte Anwesende,

Demokratie ist kein Zustand.
Sie ist ein Auftrag.

Und dieser Auftrag richtet sich nicht nur an Parlamente oder Regierungen. Er richtet sich auch an Orte, die nicht entscheiden, sondern offenhalten. Orte, die nicht Mehrheiten organisieren, sondern Widerspruch ermöglichen.

Die Akademie der Künste ist ein solcher Ort.

Seit ihrer Gründung 1696 hat sie alle politischen Systeme dieses Landes erlebt: Monarchie, Republik, Diktatur, Teilung, Vereinigung. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass Demokratie nicht nur durch Gesetze gefährdet wird, sondern durch die Gleichschaltung von Denken, Sprache und Vorstellungskraft.

Die Gleichschaltung der Akademie der Künste im Nationalsozialismus war kein Betriebsunfall, sondern eine Warnung: Wenn Kunst ihre Autonomie verliert, verliert Demokratie einen ihrer empfindlichsten Sensoren.

Aus dieser historischen Erfahrung heraus ist die Akademie der Künste als Künstlersozietät autonom. Ihre Autonomie ist kein Privileg, sondern ihre demokratische Funktion. Denn Kunst wirkt politisch gerade dort, wo sie sich nicht politisch vereinnahmen lässt. Kunst hat keine Entscheidungsmacht, aber Wirkungsmacht: Sie verändert die Bedingungen unserer Wahrnehmung, sie verschiebt, was als denkbar, sagbar und verhandelbar gilt – und damit die Voraussetzungen demokratischer Urteilsbildung. Die Akademie der Künste stärkt Demokratie, indem sie Offenheit institutionell absichert.

Der Anlass dieses Symposiums, der 70. Geburtstag des Bundespräsidenten, verweist nicht nur auf eine Person oder eine Haltung, sondern auf eine Institution. Und Institutionen, so Thomas Krüger, ehemaliger Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, sind gerade in Zeiten populistischer Angriffe Trägerinnen von Wahrheit. Sie müssen verteidigt werden.

In diesem Sinne gratuliert die Akademie der Künste – eine Institution, die dieses Jahr 330 Jahre alt wird – dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier sehr herzlich zu seinem, in institutioneller Perspektive, jugendlichen 70. Geburtstag.

Ich danke der Körber-Stiftung für die Initiative zu diesem Symposium und übergebe das Wort an Dr. Thomas Paulsen, ihren Vorstandsvorsitzenden.

Veranstaltung:
Demokratie als Auftrag
Symposium anlässlich des 70. Geburtstags von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Mittwoch, 7. Januar 2026, 18 bis 20.30 Uhr

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