„Am meisten fliegen die Gedanken nach Moskau“
Das Kriegstagebuch von Konrad Wolf

Datum und Uhrzeit:8.5.2025, 11 UhrFilm, Fotografie, MedienkunstArchiv

Der Filmregisseur und langjährige Präsident der Akademie der Künste der DDR Konrad Wolf war als junger Mann Soldat in der Roten Armee. In dieser Zeit hat er Tagebuch geführt. Ein berührendes Dokument über den Schrecken des Krieges.

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© Akademie der Künste, Berlin

„Eine Bombe von etwa einer Tonne hatte ein Haus an einer Ecke getroffen. Das ganze Haus war auseinandergeflogen, Schutt und Asche. Stöhnen war zu hören. [...] einige Leichen waren schon ausgegraben. Auf den Resten ihres Hauses saß eine alte Frau, ganz weiß vor lauter Kalk. Laut sprach sie ein Gebet, das bald Gesang, bald Wehklage war.“

Diese schockierenden Eindrücke von der Brutalität des Krieges waren die ersten, die der gerade 17 Jahre alte Rotarmist Konrad Wolf in sein Tagebuch notierte. Die Seiten sind eng beschrieben, er notierte auf Russisch, das er inzwischen besser beherrschte als die deutsche Sprache.

Denn Wolf war in Deutschland geboren worden. Sein Vater war der kommunistische Schriftsteller und Arzt Friedrich Wolf, der 1933 aus Nazideutschland emigrieren musste. Gemeinsam floh die Familie zunächst nach Frankreich und im Jahr darauf nach Moskau. Die Sowjetunion und ihre Menschen wurden für Konrad Wolf zur neuen Heimat. Daher war es für ihn selbstverständlich, diese nach dem Überfall Nazi-Deutschlands als Soldat zu verteidigen. In der Roten Armee nahm er allerdings nicht direkt an Kampfeinsätzen teil, sondern übersetzte erbeutete Dokumente und verhörte Kriegsgefangene. Später wurde er hinter der Frontlinie auch als Sprecher eines Lautsprecherwagens eingesetzt, wodurch deutsche Soldaten zum Überlaufen überredet werden sollten.

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