Du hast das Wort – 30 Sekunden Nachdenken-für-die-Zukunft
Sprechsaal-Videos aus dem Büro der öffentlichen Sache
Interviewer: Helke Misselwitz, Peter Badel, Harf Zimmermann
Filmteam: OFFscreen MediaCollective, Fred Plassmann, Yamen Abou Abdallah
Mitarbeit: Conny Klauß, Finn Dieminger, Mechthild Cramer von Laue
„Als Teil des Büros der öffentlichen Sache haben wir im Sprechsaal eingeladen zu einem spontanen Gespräch vor der Kamera – Ideen, Vorschläge, Wünsche und Anmerkungen zum Thema Zukunft. Die Vielfalt der Sprechenden und ihrer Perspektiven ergeben ein Bild unserer Zeit – offen, widersprüchlich und unvollständig.“
Peter Badel, Kameramann, Stellvertretender Direktor der Sektion Film- und Medienkunst
13.–14.6.
Marion, Marie-Luise, Johannes, Marc und viele andere haben sich zu Wort gemeldet. Sie studieren, arbeiten in der IT-Branche, als Musiker oder Architekt. Für die Zukunft wünschen sie sich, unsere „seltene Erde“ zu erhalten – wir haben doch nur eine! –, mehr Teilhabe an politischen Prozessen, einander wieder mit mehr Respekt zu begegnen … und die Fische im Meer leben zu lassen.
15.–16.6.
Jonas, Erik, Claudia, Ana und viele andere sprechen zum Thema Zukunft. Sie wünschen sich, dass das Schloss Bellevue nach der Renovierung seine Türen wieder öffnet, dass Kunst weiterhin erlebbar ist, aber auch lebbar für diejenigen, die sie schaffen. Sie sprechen darüber, dass es kein „oben“ und „unten“ geben sollte, dass Worte zählen und es dafür einen großen Wortschatz braucht. Sie arbeiten als Bauingenieur, Coach oder Sängerin, sind zu Besuch oder leben schon lange in Berlin und haben 1989 den Mauerfall miterlebt.
17.–18.6.
Die Schülerinnen Salma, Laylek und Nada, wie auch viele, die in der Bildung tätig sind, erzählen von ihren Hoffnungen vor allem für die jungen Leute. Ein ehemaliger Pfarrer schlägt den Politiker*innen vor, ein Jahr lang auf die Auftritte in Talkshows zu verzichten und stattdessen ihre Arbeit zu machen. Andere wünschen sich, dass auch der nächste Bundespräsident (oder endlich mal eine Bundespräsidentin?) das Haus viel öfter öffnet.
19./22.6.
Wenn sie Bundespräsidentin wäre, würde sie in Bildung, Kultur und Völkerverständigung investieren. Bildung sei „unser Bodenschatz“. Queeres Leben sollte in Deutschland sicher sein. Und sehr viele wünschen sich für die Zukunft vor allem eines: Frieden. Thema ist auch die Digitalität: ein Tool in den richtigen Händen? Der vierjährige Oscar wünscht sich für die Zukunft keine Roboter.
23.–24.6.
Friedhard, Salma, Moritz, Guy-Rod, Luana, Ute, Theresa, Uwe und viele andere wünschen sich für die Zukunft eine Gesellschaft, in der man sich gegenseitig um Hilfe bittet, die Vereinzelung schwindet, der öffentliche Raum geschützt und das Miteinander gestärkt wird. Befürchtungen kommen zur Sprache, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich durch die Krisen noch weiter öffnen und Gewalt zunehmen könnte. Der Wunsch nach einer gerechteren Verteilung der Mittel, nach Umweltschutz und wirklichen Verbindungen zwischen den Menschen sowie nach einer Gesellschaft der Vielfalt und Gleichberechtigung in einem bunten, offenen und friedlichen Land wird geäußert, aber es stellen sich auch ganz ortsspezifische Fragen: Wo ist eigentlich die Küche im Schloss Bellevue?
25.–26.6.
Franka, Igor, Rosa, Dario, Eva-Maria, Pablo und viele andere wünschen sich kleine und große Dinge: vom Teddybären bis zum Weltfrieden, dass Menschen mehr träumen, weniger andere Menschen bewerten, die Umgebung grüner und Hoffnung verbreitet wird. Die Wichtigkeit der Teilhabe wird häufig genannt, auch persönliche Wünsche, im Alter die eigene Offenheit zu bewahren, und der Wunsch nach einem Land, in dem man wieder ohne Angst leben kann. Eine Musikerin wünscht sich eine Zukunft, in der die Stille wieder einen Platz hat.
27.–28.6.
Thomas, Sascha, Yara, Vida, Imke, Reiner und viele andere wünschen sich Bildungsgerechtigkeit und eine klimagerechte Zukunft, in der die Umwelt geschont wird und nicht so viele Tiere aussterben. Mehr Spielplätze, viel mehr Lehrer*innen und mehr Vertrauen in die Wissenschaft werden gewünscht und, dass Geld nicht mehr als Mittel verwendet wird, um Macht auszuüben. Viele freuen sich, das Schloss einmal von innen zu sehen. Am Ende ergreift ein Besucher nicht das Wort, sondern tanzt und kommentiert sich selbst: „I am dancing in Berlin.“