Autorenkino im Archiv: Das Hans-W.-Geißendörfer-Archiv in der Akademie der Künste

Datum und Uhrzeit:31.3.2026, 12 UhrSektion:Presse

Hans W. Geißendörfer zählt zu den wichtigsten Produzenten und Regisseuren der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft. Sein umfangreiches Archiv in der Akademie der Künste ist pünktlich zu seinem 85. Geburtstag am 6. April 2026 erschlossen und für die Öffentlichkeit und Forschung zugänglich.

Als Gründungsmitglied des Filmverlags der Autoren gehört Hans W. Geißendörfer zu den engagiertesten Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films. Viele seiner Werke können als kritische Kommentare auf die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft verstanden werden. In seinem frei nach Dracula gedrehtem Kinodebüt von 1970 mit dem Titel Jonathan wehren sich Bauern und Bürger gegen die sie beherrschenden Vampire – ein Spiegel der Studentenproteste der 1968er-Bewegung. Sein Film Die Gläserne Zelle nach dem gleichnamigen Roman von Patricia Highsmith gewann 1978 den Deutschen Filmpreis und wurde als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert. Mit dem Film Ediths Tagebuch, der 1983 im Hauptwettbewerb der Filmfestspiele in Cannes lief, und dem 1994 für den Golden Globe nominierten Drama Justiz erhielt Hans W. Geißendörfer zunehmend internationale Anerkennung. Mit weiteren seiner Literaturadaptionen wie Der Zauberberg nach Thomas Mann oder Theodor Chindler, basierend auf der Vorlage von Bernard von Brentano, schrieb er Fernsehgeschichte. 1985 kreierte er die wohl bis heute beliebteste deutsche Vorabendserie Lindenstraße, die Unterhaltungsfernsehen mit aktuellen politischen Bezügen verwob und so glaubwürdig das gesellschaftliche Leben der Bundesrepublik porträtierte. Die ARD-Serie endete 2020 nach fast 1.800 Folgen.

Das Hans-W.-Geißendörfer-Archiv umfasst mit 141 Regalmetern vor allem Produktionsunterlagen, Drehbücher, Korrespondenz, Plakate, Fotos und Kritiken zu seinen Filmen und seiner Produktionsfirma Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GmbH. Neben Casting-Videos und einer Pressedokumentation zur Lindenstraße enthält es auch eine umfangreiche Sammlung von Publikumspost und bildet damit ein Stück deutscher Zeitgeschichte ab.

Für Rückfragen zum Archiv
Dr. Torsten Musial, Leiter des Archivs Film- und Medienkunst
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